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wiki:genius_cucullatus

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wiki:genius_cucullatus [2023/05/26 15:07] norbertwiki:genius_cucullatus [2024/09/08 03:29] (aktuell) – [Literatur] norbert
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 ====== Genius Cucullatus ====== ====== Genius Cucullatus ======
-Die Erinnerung an den keltischen ''Cucullatus'' - ein Nothelfer des »kleinen Mannes« - lebt fort im Sandmännchen, in den Heinzelmännchen, in den sieben Zwergen - sie alle sind stets [[wiki:unterwegs-sein|unterwegs]], erscheinen unvermittelt, leben in der [[wiki:wildnis|Wildnis]] - in den Bergen, in Höhlen, im Untergrund - und sind freundliche, hilfsbereite, [[wiki:kundige|kundige]] Gnome, Wichtel, Zwerge (engl. dwarf, goblin), erkennbar am [[wiki:reisekleidung#Kapuzenmantel|Kapuzenmantel]] mit spitzer Kapuze. Die [[wiki:reisekleidung|Kleidung]] unterscheidet sie vom Archetypus des [[wiki:wilde_mann|Wilden Mannes]], der zwergenhafte Wuchs unterscheidet sie vom riesenhaften [[wiki:christophorus|Christophorus]], ihr Lebensraum unterscheidet sie von [[wiki:reisegoetter|Reisegöttern]].+Die Erinnerung an den keltischen ''Cucullatus'' - ein Nothelfer des »kleinen Mannes« - lebt fort im Sandmännchen, in den Heinzelmännchen, in den sieben Zwergen - sie alle sind stets [[wiki:unterwegs-sein|unterwegs]], erscheinen unvermittelt, leben in der [[wiki:wildnis|Wildnis]] - in den Bergen, in Höhlen, im Untergrund - und sind freundliche, hilfsbereite, [[wiki:liste_kundige|kundige]] Gnome, Wichtel, Zwerge (engl. dwarf, goblin), erkennbar am [[wiki:reisekleidung#Kapuzenmantel|Kapuzenmantel]] mit spitzer Kapuze. Die [[wiki:reisekleidung|Kleidung]] unterscheidet sie vom Archetypus des [[wiki:der_wilde_mann|Wilden Mannes]], der zwergenhafte Wuchs unterscheidet sie vom riesenhaften [[wiki:christophorus|Christophorus]], ihr Lebensraum unterscheidet sie von [[wiki:reisegoetter|Reisegöttern]].
  
 ==== Name und Bezeichnung ==== ==== Name und Bezeichnung ====
-Ein eigentlicher Name des Genio Cucullato ist nicht bekannt, seine Bezeichnung als `Cucullatus´ beruht auf einer Äußerlichkeit, dem Kapuzenmantel. Diese Bezeichnung ist belegt durch Inschriften wie am Altar von Wabelsdorf, Österreich, und verbunden mit Abbildungen und Figuren in den antiken keltisch-römischen Gebieten Noricum (Alpen-Donauraum), Gallien (Mosel-Rhein), Germanien, Iberia (ab dem 1. Jh.), Britannia (2. bis 4. Jh.) ((Auf einer Reliefplatte als Begleiter ins Jenseits [[http://wwwg.uni-klu.ac.at/archeo/alltag/35wagen.htm|Online]] und [[https://nat.museum-digital.de/object/263003?navlang=de|Online]] sowie [[https://www.ubi-erat-lupa.org/globalsearch_result.php?result_id=72375&page=1|11 Objekte]])). Darüber hinaus gibt es etruskische und griechische  Abbildungen eines ebensolchen Männchens in einem Kapuzenmantel, letztere werden als ''Telesphoros'' bezeichnet ((Telesphoros erscheint erstmals 101 n. Chr. in Pergamon, Griechenland, zusammen mit Asklepios und Hygieia und später in Kleinasien (Kerenyi l959, Boeckh). Sein Name verweist auf //telós// `Tod´ und //teleté// `Weihe´ (Bittrich 2017). Er ist nicht griechischen Ursprungs, daher wahrscheinlich über Phrygien aus dem Donauraum übernommen.)). Sie alle bezeichnen einen hilfreichen [[wiki:reisegoetter|Schutzgeist]], der durch seine typische keltische [[wiki:reisegepaeck|Reisekleidung]] anzeigt, dass er mit der Natur vertraut ist und jederzeit bereit zum [[wiki:aufbruch|Aufbruch]].+Ein eigentlicher Name des Genio Cucullato ist nicht bekannt, seine Bezeichnung als `Cucullatus´ beruht auf einer Äußerlichkeit, dem Kapuzenmantel. Diese Bezeichnung ist belegt durch Inschriften wie am Altar von Wabelsdorf, Österreich, und verbunden mit Abbildungen und Figuren in den antiken keltisch-römischen Gebieten Noricum (Alpen-Donauraum), Gallien (Mosel-Rhein), Germanien, Iberia (ab dem 1. Jh.), Britannia (2. bis 4. Jh.) ((Auf einer Reliefplatte als [[wiki:begleiter|Begleiter]] ins Jenseits [[http://wwwg.uni-klu.ac.at/archeo/alltag/35wagen.htm|Online]] und [[https://nat.museum-digital.de/object/263003?navlang=de|Online]] sowie [[https://www.ubi-erat-lupa.org/globalsearch_result.php?result_id=72375&page=1|11 Objekte]])). Darüber hinaus gibt es etruskische und griechische  Abbildungen eines ebensolchen Männchens in einem Kapuzenmantel, letztere werden als ''Telesphoros'' bezeichnet ((Telesphoros erscheint erstmals 101 n. Chr. in Pergamon, Griechenland, zusammen mit Asklepios und Hygieia und später in Kleinasien (Kerenyi l959, Boeckh). Sein Name verweist auf //telós// `Tod´ und //teleté// `Weihe´ (Bittrich 2017). Er ist nicht griechischen Ursprungs, daher wahrscheinlich über Phrygien aus dem Donauraum übernommen.)). Sie alle bezeichnen einen hilfreichen [[wiki:reisegoetter|Schutzgeist]], der durch seine typische keltische [[wiki:reisegepaeck|Reisekleidung]] anzeigt, dass er mit der Natur vertraut ist und jederzeit bereit zum [[wiki:aufbruch|Aufbruch]].
  
 Cucullatus leitet sich ab von der keltischen Bezeichnung für Kapuze //*kukka//((Moreno 2009)) (latinisiert `cucullus´) für die `Kalotte einer Kopfbedeckung´, wie sie auch in //bardocucullus// erscheint ((''Martial'' 14, 128: »//Bardocucullus//. Gallia Santonico vestit te bardocucullo. Cercopithecorum //paenula// nuper erat.« Vordergründig `Bardenkapuze´, jedoch wohl eher auf einen Stamm der Illyrer verweisend, deren König Bardylis (um 450 BC bis 358 BC) war )). Damit ist zwar klar, dass der Genius Cucullatus immer einen Kapuzenmantel ((Zerres 2017)) trägt, doch verweist nicht jeder Kapuzenmantel auf einen Genius Cucullatus. Die verhüllende Kapuze findet sich als unsichtbar machender Mantel in der Tarnkappe (=hël-kappe, ahd. tarnan, `verbergen´) beim Zwerg ''Alberich'' (=Oberon) in der Nibelungensage.  Cucullatus leitet sich ab von der keltischen Bezeichnung für Kapuze //*kukka//((Moreno 2009)) (latinisiert `cucullus´) für die `Kalotte einer Kopfbedeckung´, wie sie auch in //bardocucullus// erscheint ((''Martial'' 14, 128: »//Bardocucullus//. Gallia Santonico vestit te bardocucullo. Cercopithecorum //paenula// nuper erat.« Vordergründig `Bardenkapuze´, jedoch wohl eher auf einen Stamm der Illyrer verweisend, deren König Bardylis (um 450 BC bis 358 BC) war )). Damit ist zwar klar, dass der Genius Cucullatus immer einen Kapuzenmantel ((Zerres 2017)) trägt, doch verweist nicht jeder Kapuzenmantel auf einen Genius Cucullatus. Die verhüllende Kapuze findet sich als unsichtbar machender Mantel in der Tarnkappe (=hël-kappe, ahd. tarnan, `verbergen´) beim Zwerg ''Alberich'' (=Oberon) in der Nibelungensage. 
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     * Reliefs im römischen Britannien     * Reliefs im römischen Britannien
   * Typus:   * Typus:
-    * bärtiger Mann > [[wiki:wilde_mann|Wilder Mann]]+    * bärtiger Mann > [[wiki:der_wilde_mann|Wilder Mann]]
     * Die Deutung als `Kind´ kann zum einen der zwergenhaften Darstellung geschuldet sein. Sie kann aber auch ausdrücken, dass der Genius mit der Glückshaube geboren wurde, daher später hellsehend wurde und diese Eigenschaft mit der getrockneten Eihaut weitergeben kann (Quelle s.u.).     * Die Deutung als `Kind´ kann zum einen der zwergenhaften Darstellung geschuldet sein. Sie kann aber auch ausdrücken, dass der Genius mit der Glückshaube geboren wurde, daher später hellsehend wurde und diese Eigenschaft mit der getrockneten Eihaut weitergeben kann (Quelle s.u.).
   * Umgebung: (Wohn-)orte in der [[wiki:wildnis|Wildnis]], [[wiki:landschaft|Landschaften]]:   * Umgebung: (Wohn-)orte in der [[wiki:wildnis|Wildnis]], [[wiki:landschaft|Landschaften]]:
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 ==== Verbreitungsraum ==== ==== Verbreitungsraum ====
   * Die ältesten Hinweise weisen den Kapuzenmantel den Sentonen ((Martial 14, 128)) zu (französische Atlantikküste) entlang der Charente, den Segusiavi im Raum Lyon, dem illyrischen Volk der Bardaei unter dem König Bardylis.   * Die ältesten Hinweise weisen den Kapuzenmantel den Sentonen ((Martial 14, 128)) zu (französische Atlantikküste) entlang der Charente, den Segusiavi im Raum Lyon, dem illyrischen Volk der Bardaei unter dem König Bardylis.
-  * Im Bayrischen als //Goggolori//, ein Kobold oder Waldschrat, aus mhd. //goukelære//, //gougelære// `Zauberer, Gaukler, Taschenspieler´ ((Mittelhochdeutsches Handwörterbuch von Matthias Lexer Bd. 1, Sp. 1059)) und ahd. [[http://awb.saw-leipzig.de/cgi/WBNetz/wbgui_py?sigle=AWB&lemma=gougalari|gougalâri]] ((Althochdeutsches Wörterbuch)), ein Zauberer, Magier, Beschwörer ambivalent sowohl als weiser, [[wiki:kundige|kundiger]] Mann als auch als Gaukler, Verblender, Betrüger.+  * Im Bayrischen als //Goggolori//, ein Kobold oder Waldschrat, aus mhd. //goukelære//, //gougelære// `Zauberer, Gaukler, Taschenspieler´ ((Mittelhochdeutsches Handwörterbuch von Matthias Lexer Bd. 1, Sp. 1059)) und ahd. [[http://awb.saw-leipzig.de/cgi/WBNetz/wbgui_py?sigle=AWB&lemma=gougalari|gougalâri]] ((Althochdeutsches Wörterbuch)), ein Zauberer, Magier, Beschwörer ambivalent sowohl als weiser, [[wiki:liste_kundige|kundiger]] Mann als auch als Gaukler, Verblender, Betrüger.
   * Im Alpenraum: //Venedigermandl//, Buzen, Bergmännlein und andere.   * Im Alpenraum: //Venedigermandl//, Buzen, Bergmännlein und andere.
   * Die //schwäbischen nackten Männlein// ([[https://bawue.museum-digital.de/index.php?t=objekt&oges=1833|Männlein von Hemmendorf]]), mit Fackel (?) und kurzem Kapuzenüberwurf.   * Die //schwäbischen nackten Männlein// ([[https://bawue.museum-digital.de/index.php?t=objekt&oges=1833|Männlein von Hemmendorf]]), mit Fackel (?) und kurzem Kapuzenüberwurf.
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   * ''Bittrich, Ursula''\\ //Traum - Mantik - Allegorie//.\\ Die "Hieroi Logoi" des Aelius Aristides im weiteren Kontext der griechisch-römischen Traumliteratur.\\ (= Millennium-Studien, 61) Berlin De Gruyter 2017\\ S. 48, 89, 91: Horus, telós Tod > Todesdämon und teleté Weihe > Initiationsdämon   * ''Bittrich, Ursula''\\ //Traum - Mantik - Allegorie//.\\ Die "Hieroi Logoi" des Aelius Aristides im weiteren Kontext der griechisch-römischen Traumliteratur.\\ (= Millennium-Studien, 61) Berlin De Gruyter 2017\\ S. 48, 89, 91: Horus, telós Tod > Todesdämon und teleté Weihe > Initiationsdämon
   * ''Boeckh, August''\\ //Corpus inscriptionum Graecarum. [=CIG]//\\ Berolini, 1828-77\\ S. 479 Der Name Telesphoros bezieht sich auf //ad magicam per τελετάς et τελεσφορίας medicinam//. Boeckh vergleicht den Genius mit dem Telesphoros im Pergamon neben Asklepios und Hygieia.   * ''Boeckh, August''\\ //Corpus inscriptionum Graecarum. [=CIG]//\\ Berolini, 1828-77\\ S. 479 Der Name Telesphoros bezieht sich auf //ad magicam per τελετάς et τελεσφορίας medicinam//. Boeckh vergleicht den Genius mit dem Telesphoros im Pergamon neben Asklepios und Hygieia.
-  * ''Margherita Bolla''\\ //Lucerna figurata Romana in bronzo da Montecchio Maggiore//.\\ In: Studi e Ricerche - Associazione Amici del Museo - Museo Civico "G. Vannato" Montecchio Maggiore (Vicenza), 17 (2010) 51-69.\\ Mit zahlreichen Abbildungen des cucullatus als Lampe, bei denen der Phallus hervorragend leuchtet.+  * ''Margherita Bolla''\\ //Lucerna figurata Romana in bronzo da Montecchio Maggiore//.\\ In: Studi e Ricerche - Associazione Amici del Museo - Museo Civico "G. Vannato" Montecchio Maggiore (Vicenza), 17 (2010) 51-69.\\ Mit zahlreichen Abbildungen des cucullatus als Lampe, bei denen der Phallus hervorragend leuchtet.  
 +  * ''Bulle, Heinrich''\\ //Keltische Brautfahrt, etruskische Hadesfahrt und der genius cucullatus.//\\ Wiener Jahreshefte 35 (1943) [138] - 156
   * ''Calvetti, Anselmo''\\ //Geni "Pileati" e "Cucullati".//\\ Lares 66 (2000) 709-724   * ''Calvetti, Anselmo''\\ //Geni "Pileati" e "Cucullati".//\\ Lares 66 (2000) 709-724
   * ''Calvi, C.''\\ //I cucullati d'ambra di Aquileia//.\\ Roma: Archaeologica 141 (2004) 173-177.   * ''Calvi, C.''\\ //I cucullati d'ambra di Aquileia//.\\ Roma: Archaeologica 141 (2004) 173-177.
wiki/genius_cucullatus.1685113664.txt.gz · Zuletzt geändert: 2023/05/26 15:07 von norbert

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