Steinmann (Obo, Cairn)
Der Steinmann ist konkret ein Artefakt in der Wildnis, physisch eine Raumteilung und psychisch ein Eingriff in die Raumvorstellungen. Als Zeichen ist er ein Zeugnis des Unterwegs-Seins, weil Reisende mit ihrem hinzugelegten Stein einerseits eine Kunde hinterlassen als Zeugnis, dass sie dort waren und als Hinweis, dass hier ein Weg von irgendwoher nach irgendwohin verläuft.
→ Liste von Steinsetzungen
Steine als Wegzeichen
Karling
Als Wegzeichen zur Orientierung gibt es ein natürliches Vorbild im Karling. Dies bezeichnet glaziologisch pyramidenförmige Bergspitzen, die durch ihre schroffen und steilen Grate mit manchmal fast senkrechten Wänden unübersehbare Fixpunkte im Raum bilden, scheinbar isoliert in der Bergwelt. Diese entstanden aus dem Eisstrom der Gletscher. In Europa wird die dabei entstehende pyramidale Form oft als „Horn“ (schweiz. Gorner, ital. Corno, lat. Cornu) bezeichnet (Matterhorn, Wießbachhorn, Großer Hornkopf) oder als Spitze (rätorom. Piz, ital. Pizzo, Cima ) 1). Auch die bekanntesten Berggipfel der Hohen Tauern sind Karlinge wie der Großglockner. 2)
Breadcrump Trail
Bei der Erstbegehung einer Route haben die Steinzeichen einen einmaligen und besonderen Sinn:
-
zweitens ermöglichen sie es Andere nachzufolgen;
drittens ermöglichen sie es, im Notfall gefunden zu werden.
Expeditionsmarken
Bei vielen Expeditionen wurden systematisch Cairns (port. Padrões) angelegt, z.B. 1868 bei der deutschen Nordpol-Expedition:
„Um aber die allerschlimmsten Fälle vorzusehen, und im Fall eines Unglückes eine möglichst gute Spur der Expedition zu haben, sollen auf den sich nach Norden erstreckenden Küsten Ost-Grönlands oder überhaupt auf jeder zu berührenden Küste wiederholt Steinhaufen (Cairns) errichtet werden, die, wie bei den Englischen Expeditionen, in ihrem Innern schriftliche Nachricht von dem Gange und Stande der Expedition enthalten. Und zwar sollen diese Cairns an hervorragenden Punkten der Küste möglichst genau oder so nahe als möglich unter einem vollen Breiten- oder Längengrade errichtet werden, was ihre Auffindung ausserordentlich erleichtern würde.“ 3)
Anforderungsprofil
Steinsäulen (engl. piles of rock), Steinhaufen (engl. heap of stone, frz. tas de pierres), auch in Form von Pyramiden oder als gegeneinander gelehnte Steinplatten, sind als einfachste, älteste und beständigste Form des Wegzeichens (engl. road marker) oder Wegweisers (engl. signpost, frz. poteau indicateur) charakterisiert durch
Beständigkeit, also ein großer Haufen oder
eine standfeste Konstruktion mit
ausgesuchten Steinen;
Lentz, Thomas L.
AMC Trail Adopter’s Handbook.
47 S. Boston (9.A. 2007): Appalachian Mountain Club White Mountain Adopt-A-Trail Program.
Online. S. 24-25: Eine Anleitung zum Bau eines Cairns.
auffällige Sichtbarkeit, also
eine vertikale Struktur durch Schichtung oder
eine vertikale Komponente (Stab, Stele);
Umrisse, die sich gegen Umgebung und Horizont abheben;
einen exponierten Standort
zur Fernorientierung an erhöhten oder vorspringenden Stellen im
Gelände (z. B. Hügel), die vom Weg aus sichtbar sind;
zur Nahorientierung an einem bedeutsamen Wegabschnitt wie etwa Gabelung, Kreuzung, Quelle, Furt, Anlandestelle,
Pass;
Informationsgehalt als Teil eines wegbegleitenden Systems zur
Orientierung:
Hier war schon jemand.
-
Hier geht der
Weg weiter (Richtung) im Zusammenhang mit weiteren Wegzeichen.
Damit kennzeichnen sie den richtigen Weg, wenn es in der Landschaft keine natürlichen und eindeutigen Landmarken gibt, die durch erzählende Beschreibung weitergegeben werden könnten.
Sie bieten Orientierung und einen Schutz gegen das Verirren in der Wildnis.
Sie erleichtern die Wegfindung, wenn der felsige Untergrund keine Spuren erkennen lässt oder wenn es zu viele Spuren (etwa Tierpfade auf Almen) gibt oder wenn im Sand Pisten in alle Richtungen führen, aber auch wenn der Pfad bei Schnee auf Pässen oder im Nebel nicht weithin sichtbar ist.
Der Entstehungszusammenhang von Steinsetzungen
Der Zweck und die Umstände der Steinsetzung dürfte entscheidenden Einfluss auf deren Anordnung gehabt haben.
Wer wandernd seine Route markieren will, minimiert den Zeitaufwand für den Bau und optimiert die Sichtbarkeit (Umgebungseinfluss).
Steinsetzungen lassen sich äußerlich nach Form und Struktur unterscheiden als:
Cairns (gälisch), ein Steinhaufen (engl. heap of stones);
französisch Galgal, spanisch Montón de piedras
geworfen, also ungeordnet gehäuft,
gesetzt aus mindestens drei Steinen, weil zwei Steine auch zufällig angeordnet sein können,
anthropomorph gesetzt
→ Inuksuk (Arktis).
Cromlech (walisisch), ein Steinkreis aus Menhiren, auch oval oder rechteckig;
schwedisch stensättningar, niederländisch steenhopen
Menhir, eine steinerne Säule (auch: Stele, manchmal Grabstele).
Dolmen (aus bretonisch taol `Tisch´ & maen `Stein´, ein megalithisches und mehrteiliges Bauwerk als Kollektivgrabanlage (Riesensteingrab, Hünengrab).
dänisch Dysse, Dyssenkammeret, schwedisch Dös, Dösar, Stendös, engl. chambered tomb, portugiesisch anta, mamra, katalanisch caxa, caixa, arca, niederländisch Hunebed.
Laporte, Luc;
Jean-Marc Large;
Laurent Nespoulous (Hg.)
Megaliths of the World.
Oxford 2022: Archaeopress Publishing.
Band 1 (S. 1–610) und 2 (S. 613-1428). 150 Autoren decken in 72 Beiträgen den Wissensstand über die weltweiten Funde von Megalithen ab.
Vatolahy (Madagaskar) s. S. 1025 ff.
Steine werfen und Steine setzen
Solche Steinmännchen sind weltweit zu finden 5) ebenso wie der Brauch, Steine auf Steinhaufen und Grabstellen zu werfen 6). Für beides (Objekt und Brauch) werden in der Fachliteratur zwei spezifische Objektbegriffe (schottisch cairns und mongolisch obo) auch als Gattungsbegriff verwendet. Der technische Begriff der »sukzessiven Häufung« trifft nur auf das Steinewerfen zu. Eine widerspruchsfreie Terminologie ist nicht in Sicht. Steinmännchen gehören auch nicht zu den Megalithen. Diese sind definiert als Bauwerke aus großen Steinblöcken oder -säulen, die nur gemeinschaftlich erbaut werden können.
Steinsetzungen als Sachsystem
Aus technischer Sicht lassen sich Artefakte hinsichtlich ihrer Funktion (auch mit Mehrfachfunktionen) systematisieren, so lassen sich Steinsetzungen auffassen als:
Sachsystem (Stoff), etwa als
(Sicht-)schutzmauer für Jäger, Späher, Wächter
→ Galed / Jegar-Sahaduta (Arab. Halbinsel), → Varða (Nordeuropa); → HOROΣ (Griechenland); →Chakrayuq (Südamerika)
Grabstein(haufen) als Schutz gegen Tiere,
Fundament,
-
Sachsystem (Energie), etwa
Windschutz gegen Kälte,
-
Hinweis auf ein unterirdisches »food cache« (z.B. bärensichere Lebensmittellager (
bear cache) in
Arktis und Subarktis
8) ).
Sachsystem (Information), etwa als
Kennzeichen für eine natürliche Besonderheit, z.B. Quelle, Furt, Angelplatz, Anlegestelle;
-
Grenzpunkt, also eine soziale Vereinbarung betreffend und damit ein Ort für
Briefkasten: Depot für Nachrichten
Am 6. Mai 1859 fand Leutnant Hobson als Teilnehmer der Suchexpedition von MacClintock auf Point Victory an der Nordwestküste von König-Williamsland unter einem Steinhaufen eine Blechbüchse mit einem Schriftstück der Franklin-Expedition: »Ihrer Majestät Schiffe ›Erebus‹ und ›Terror‹ überwinterten im Packeise am 28. Mai 1847 in 70°5' n. Br., 98°23' w. Gr. Überwinterten 1846-47 auf Beecheyinsel in 74°43'28„ n. Br., 91°39'15“ w. Gr., nachdem sie im Wellingtonkanal bis 77° hinaufgefahren und an der Westseite der Cornwallisinsel zurückgekehrt waren. Sir John Franklin kommandiert die Expedition. Alle wohl!«
»Gegen 10 pm kamen wir in die Nähe von Sutherland Island einer kleinen Insel etwas südlich vom Cap Alexander Es war totale Windstille eingetreten und da wir auf der Insel einen Cairn entdeckten bemannten wir ein Boot … erstiegen wir die Insel und fanden bald einen Steinhaufen in dessen Nähe wir nach einigem Suchen eine Thonflasche ausgruben, die ein Papier enthielt, welches durch Nässe sehr gelitten hatte … doch konnten wir die Unterschrift Hartstene USN lesen wussten somit, dass das Papier von der amerikanischen Kane Aufsuchungs Expedition Hartstene's aus dem Jahre 1855 herrühre. Wir verwahrten dasselbe vorsichtig und gingen daran mit grosser Mühe einen besser sichtbaren den Unbilden des Wetters wider stehenden Cairn zu errichten und ein Document beizulegen. … Indessen wurde der Stein Cairn beendet und wir mussten ruhig stehen um als Beigabe einer photographischen Aufnahme desselben durch Mr Grant zu dienen.«
9)
Messpunkt
Symbol mit besonderer Bedeutung sich entsprechend zu verhalten, etwa
das Auflegen von Steinen, Ästen u.a.m. als rituelle Handlung, also
»Cairns, to which every passer-by adds a stone« 10), belegt etwa in
Europa: Oesel, Estland; St. Tredwels und Papa Westray, Orkney Islands; schottisches Hochland; Telemarken, Norwegen; Avestad, Schweden;
11)
Amerika: Bolivien (z.B. Puna), Guatemala, Kolumbien, Peru (z.B. Apachitas), Mexico (z.B. Tarahumares, Tepehuanes)
12)
Afrika: Südliches Afrika (z.B. Kaffer, Kei River), Basutoland, am Zambesi River, Ostafrika: Uganda, Nyassa-Tanganjika, Tansania (z.B. Wanyamwesi), Westafrika (z.B. Soku), Senegal, Kongo (z.B. Fan)
13)
Asien: asiatisches Russland, Indien, Korea, Burma, Bhutan, Tibet
14)
Grabmal mit besonderer Bedeutung (Stupa, Kurgan)
Johnson Neal
Early Bronze Age Round Barrows of the Anglo-Welsh Border.
Oxford UK 2017: BAR.
Cairns und Barrows werden nicht nur als Grabdenkmäler betrachtet, sondern als Eingriffe in die Landschaft, die durch Manipulation der Natur bestimmten sozialen Anliegen eine artifizielle Form in der natürlichen Landschaft verleiht.
Mal als Gedenken oder Mahnung an ein zurückliegendes Ereignis (Schlacht, Sieg, Tod, Unglück, Verbrechen).
»heaps of sticks or stones on scenes of Murder« 15)
»Cairns near shrines of saints« 16)
Nach Königin Victoria 1852:
»wo wir einen Cairn bauen sehen wollten, der, nachdem der alte niedergerissen worden, zur Erinnerung unsrer Besitzergreifung dieser geliebten Stätte errichtet werden sollte.« 17)
als Sündenbock (engl. Scapegoat) oder Stellvertreter, bei dem etwas abgelegt werden kann.
»transference of weariness (fatigue) to heaps of stones« 18): Nicaragua, Guatemala, Peruanische Anden sowie die
lying heaps der Dayak in Batang Lupar, Borneo
19).
Die Sündenbockfunktion ist für die Dayaks auf Borneo sehr schön beschrieben
20):
Viele Reisende haben die Ehrlichkeit der Dayaks auf Borneo als außergewöhnlich betont. Dort erzählt man sich über die vielen Haufen am Wegesrand, dass jeder Haufen an einen Mann erinnere, der eine unglaubliche Lüge erzählt oder eine Verpflichtung nicht erfüllt hat. Jeder Vorübergehende nimmt einen Stock oder einen Stein, wirft ihn auf den Haufen und sagt dabei: Für den Lügenhaufen von diesem oder jenem. Das geht über Generationen so weiter, bis sie manchmal vergessen, wer die Lüge erzählt hat, aber trotzdem werfen sie weiter Steine.
Steinsetzungen als Teil von Organisationssystemen
Die Sachsysteme können Teil eines Organisationssystems (gewesen) sein und durch einen zielorientierten Handlungsablauf mit weiteren Artefakten verbunden (gewesen) sein, etwa als
Kette von Orientierungspunkten, die so zu
Wegpunkten oder
Wegweisern werden, indem sie eine
Routeninformation für die
Orientierung bereitstellen, also gab/gibt es einen entsprechenden
Weg von X nach Y;
→ Alem (Sahara)
Warte, also ein geschützter Platz mit guter Aussicht für Wärter und Sichtachse zu weiteren Warten;
→ Varða (Nordeuropa) → Herma (Griechenland) → Gal (Arabische Halbinsel)
Grenzpunkt, also verbunden mit weiteren Grenzpunkten zu einer Linie, die etwas abgrenzt;
→ Horossteine (Griechenland)
Messpunkte, also verbunden mit weiteren Messpunkten einer Beobachtungseinrichtung, z.B. zum Anpeilen von Positionen (Sonne, Mond, Sterne) für astronomische Zwecke;
→ Namoratunga (Ostafrika)
funktionale Orte in der
Landschaft für die gemeinschaftliche Jagd, für Treiber, Schützen, Späher;
Ort kultischer Handlungen (z.B. Opfer)
→ Khalwa (Sahara, Sahel) → Hörgr, Öfferröse (Nordeuropa), Gurci (Nordpolarmeer)
»offering at cairns« 21): Bhutan, Bolivien, Guatemala, Peruanische Anden, Schweden
»Prayers to the sun: at cairns or heaps of sticks or leaves«
22)
Steinsetzungen am Weg sind primär Orientierungspunkte in einer Wildnis. Hat sich der Weg wahrnehmbar und eindeutig etabliert, werden sie (meist) überflüssig. An nicht eindeutigen Stellen ( Abzweigungen, Kreuzungen, Richtungsänderungen) bleiben sie funktional.
Über einen zusätzlichen Informationsgehalt können sie nun auch Teil anderer Organisationssysteme oder gar formal institutionalisiert werden, mit charakteristischen Merkmalen als:
Meilenstein mit Streckeninformation,
Flurkreuz mit Hinweis auf Gewanngrenzen,
Bildstock mit Herrschaftszeichen oder Schutzgottheit (Heiligenhäuschen)
Phallussymbol als Hinweis auf den schützenden
Reisegott:
Herme, Lingam, Jizo
spirituelles Zeichen (Wegekreuz, Stupa, Hermes- oder Merkurkopf mit Flügeln …) als Hinweis auf rituelle Regeln;
weißer Stein mit Machtanspruch auf einen Herrschaftsbereich,
Malstein mit Hinweis auf den Ort von Rechtsprechung,
Grabstein mit Hinweise auf den Toten.
An manchen Steinsetzungen werden die Beschützer der Wege geehrt und angerufen:
-
der Steinhaufen des römischen Merkur
die Hermes-Steine der griechischen Antike
die Phallus-Steine des Jizō (Japan)
der Lingam im Hinduismus
die Steine des Kielu Dziewos (Litauen)
Stringer, Peggy C.
An intimate exploration of rock stacking as a sacred art form evoking the numinous experience.
X, 261 S. PhD. Ann Arbor, MI 2003: UMI.
Symbolisches Handeln
Der Steinhaufen als Orientierungspunkt ist ein Ding, das Information speichert, also ein Werkzeug, das seine Funktion auch noch wahrnimmt, nachdem der Erbauer fort ist. Damit übernimmt es stellvertretend eine Aufgabe für den Menschen.
Der Erbauer als erster Begeher einer Route ist ein Suchender und setzt die ersten Steinhaufen mit dem Ziel,
den Rückweg wiederzufinden, weil er nicht weiß, wohin er gelangt;
Nachfolgenden anzuzeigen, wohin er gegangen ist.
In diesem Entstehungszusammenhang muss der Anfangshaufen bei minimalem Aufwand so gebaut sein, dass er aus der Ferne kommend aus beiden Richtungen gesehen werden kann. Dafür mögen drei Steine genügen oder dreißig oder dreihundert.
Für alle Nachfolgenden sind die Steinhaufen nurmehr das Mittel an dasselbe Ziel zu gelangen (Verwendungszusammenhang). Jeder ab jetzt geworfene Stein ist nicht mehr funktional, sondern symbolisch. Der geworfene Haufen ist nie fertig, sondern immerfort wachsend durch die unentwegte Teilhabe aller, die ihn passieren. Er wächst jedoch nur, wenn bestimmte Grundregeln eingehalten werden:
Jeder trägt etwas dazu bei, indem er einen Stein auflegt. Es nicht zu tun, bringt Unglück.
Jeder darf nur einen Stein auflegen, so dass alle im selben Maße beitragen.
Diese schlichten Steinhaufen werden dadurch über ihre Funktion als Landmarke hinaus mit Bedeutung aufgeladen, haben also innere Bewegung ausgelöst, etwa:
sie zu finden, mindert die
Einsamkeit des
Wanderers in der
Wildnis, denn es waren schon Menschen an diesem
Ort, also enthält der Steinhaufen etwa Menschliches;
sie zu sehen wirkt erleichternd und nimmt eine
Last von der Seele, etwa die
Sorge sich zu verirren;
der Steinhaufen wirkt beruhigend, weil jeder Stein das
Wissen derjenigen bestätigt und speichert, die bereits hier waren, verlangt also Respekt vor dem angesammelten Wissen der Ahnen;
jeder Stein des Haufens enthält die Botschaft »Ich war hier!« und einen Stein hinzuzulegen bereichert durch das Gefühl der Zugehörigkeit: der
Einzelne wird Teil der Anderen: alle gehen dieselben
Wege;
etwas zurückzulassen verbindet den Wanderer mit der
Landschaft;
Rituell praktiziert erscheint dies als Speise- oder Trankopfer, etwa wenn im tibetischen Raum etwas Tsampa auf dem Pass niedergelegt oder in die Luft geworfen wird. Damit wird das Wegzeichen zum Altar, wie dies auch die Gebetsfahnen auf den tibetischen und mongolischen Pässen ausdrücken.
In Tirol heißt dies dem
»Bergfräulein opfern« 24).
-
Wanderer, die beim Passieren einen Stein hinzulegen oder einen Stock hineinstecken, handeln sowohl rational als auch symbolisch. Sie helfen damit anderen und sie bedanken sich.
Diese Phänomene - Steine setzen und werfen - scheinen bislang nur anekdotisch beschreibend behandelt worden zu sein. Manche Beobachtungen wiederholen sich und bieten Ansätze für ein mögliches Muster:
-
Es wird etwas gegeben, doch kommt es weder auf die Menge an, noch auf die Art des Gegenstandes. Neben den dauerhaften Steinen können das Knochen, Äste, Laub, oder einfach nur Staub sein.
→
Erde,
Weltbild
Es bringt
Glück, dem Haufen etwas hinzuzufügen, und Unglück, das nicht zu tun.
Der Ritus am Steinhaufen kann heilen, man kann Müdigkeit, Kummer und Leiden dort lassen.
Niemand wird angebetet, aber es wird um etwas gebeten.
Der Haufen gilt als Zeuge.
Der Haufen ist kein Grab, wird aber oft als solches bezeichnet.
Die Figur des
Trickster ist wiederholt mit Steinhaufen verbunden; der Name des Hermes rührt daher.
→
Reisegötter
Die Steinhaufen und die Steinriten sind oft verbunden mit der Vorstellung der Totenruhe. Im deutschsprachigen Raum erscheint der `Tote Mann´ als Flurname in allen Regionen.
Steinhaufen gelten in vielen Kulturen als obskur. Das mag daran liegen, dass sich ein Haufen nicht definieren lässt (Sorites-Paradoxon). Beim ersten Stein ist der Haufen nur in der Vorstellung enthalten. Die Handlung enthält dagegen immer das Aneignen (acquisitio) des Steins und das Teilen (divisio) mit den anderen auf dem Haufen.
Letztlich enthalten sie eine grundlegendere Bedeutung als als Steinsetzungen. Jede geregelte Setzung setzt Regeln voraus (von wem?), kommt an ein Ende (auch der Teilhabe), wird fertig zu einem bestimmten Zweck. Diesem Zweck unterwerfen sich alle Späteren. Insbesondere einen Grenzstein oder einen Altar zu bewerfen, hieße ja ihn zu missachten. Hier liegen die Ursprünge des »Rechts« (gr. nomós < nemein: nehmen und teilen), weil der Haufen den Raum teilt, aber gemeinschaftlich bleibt und nicht in Dein und Mein geteilt zerfällt. Die Handlung, den Stein auf den Haufen zu werfen, ist ein Versprechen, sich an die Regeln zu halten und damit als »Versprechen die entscheidende moralisch-politische Handlung in der unabsehbaren Welt menschlicher Angelegenheiten …« 26).
Literatur
Etymologie
Ägyptisches krkr ist ein semitisches Lehnwort 27) für `Steinhaufen´.
Francesco Perono Cacciafoco
Continuity in European Toponomastics: the (Pre-)Indo-European *kar- / *kal- Root in the Pre-Latin Ligurian Toponymy.
Annals of the University of Craiova: Series Philology, Linguistics XXXVII.1-2 (2015) 121-138
Der Autor beschäftigt sich auch mit der eigenartigen Verdoppelung (Reduplikation) der Wurzel *kar- im italienischen (ligurischen) Ortsnamen Carcare < Carcaris.
Deutsches Wörterbuch (
Jacob Grimm und
Wilhelm Grimm):
kar
»aber das alpenwort, das auch in vielen namen von bergen, gletschern und bergtheilen daselbst auftritt, wie Karwendel, Gamskârkogel, Kârwant, Tischlkâr, Eiskâr, greift weiter in die vorzeit.
In den Schweizer alpen ist kar oder karre f. verschiedentlich kahler fels, oder groszes felsstück in einem brachboden, oder eine strecke voll klippen mit etwas grün dazwischen, s. Stalder 2, 87; davon karrenfeld, karrenfläche Rochholz Schweizersagen 1, 358.
Schmeller erinnert an ags. car, carr fels, und schott. corrie (demin.), feuchte vertiefung zwischen höhen, mit guter weide, also dem bair. demin. ganz entsprechend.
Stalder bringt auszer semitischen, asiatischen ähnlichkeiten kelt. und nord. wörter zur vergleichung; kelt. ist car fels, gewöhnlich carreg, carraig, crag u. a. (vgl. Diez 603 zu dem provenz. crau), gael. ir. càrn steinhaufe als leichenhügel, denkmal, càrnanaich hochländer, gebirgsbewohner, u. a.; schott. cairn steinhaufe, kairs pl. felsen mit öffnung hindurch, nordengl. carrock steinhaufe als grenzmark.
aber engl. dial. car ist, dem /Bd. 11, Sp. 205/ bair. kar näher tretend, niederung, marschgrund, auch erlengrund u. ä. Halliwell 231b, und das ist wol auch in der Karrharde an der westküste Schleswigs (mit einem orte Karlum) enthalten, vgl. den namen Karmarsch. schott. ist kair sumpf, ebenso isl. ker, dän. kär, kjär, norw. kjerr, schw. kärr. merkwürdig noch schwäb. kareisig steinig, felsig, kareisiger boden Schmid 305.
bei Rietz 310b schw. kart m. stein, und steinhaufe als ackergrenzzeichen. vgl. auch nord. skär, sker fels.
das grelle auseinandergehen der bedeutungen in fels und niederung, stein und sumpf widerspricht nicht notwendig der urspr. einheit des offenbar uralten europ. wortes«
Hubschmid, Johannes
Die Stämme *kar(r )- und *kurr- im Iberoromanischen, Baskischen und Inselkeltischen.
Romance Philology 13.1 (1959) 31–49.
Online.
zu
hörgr S.40 cf 12;
zu
currick S. 47
Hummel, S.
Some remarks on the Ural-Altaic substrate in Old Canary and Etruscan languages as a contribution to linguistic neolithic anthropology in Eurasia and North Africa.
Gegenbaurs morphologisches Jahrbuch 134 (1988) 53–57 mit Belegstellen zum Steinhaufen und den Wurzeln gl(gr) `rund´ und kr `spitz´.
Eisler, Robert
Zur Bedeutung von „Ṣion“.
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums 73.7/8 (=NF 37) (1929) 320–25.
Online
Anhand zahlreicher Textbelege aus der Bibel werden Zusammenhänge von hebräisch (
sion) und arabisch (
zuia) erörtert und gedeutet als Analogien zu
cairns,
hermaia, für weiße Steine als Zeichen für Gräber, als Wegweiser in der Wüste, als Malstein;
abgeleitet von der Wurzel `aufstellen´ (gr. stele);
Hinweis auf
galilim `Steinkreis´,
gelalim `Steinhaufen´,
gillulim `Götze´;
Hinweis auf
kerkur und
rejem in Fußnote 3, S. 323;
Hinweis auf die altägyptische Hieroglyphe für Steinhaufen, mit Stock und Tuch u.a.m.
Manfred Hutter
Kultstelen und Baityloi. Die Ausstrahlung eines syrischen religiösen Phänomens nach Kleinasien und Israel.
S. 87–106 in: Janowski, Bernd ; Koch, Klaus ; Wilhelm, Gernot (Hg.): Religionsgeschichtliche Beziehungen zwischen Kleinasien, Nordsyrien und dem Alten Testament: Internationales Symposion Hamburg 17.–21. März 1990. Freiburg/ Göttingen 1993: Universitätsverlag / Vandenhoeck Ruprecht
DOI
Bezeichnungen für Kultstelen/Baityloi (keine Grabstelen) sind verbunden mit kultischen Handlungen, dienen als Zeuge, können Vertragsstelen sein:
syrisch: sikkanum →
sīkěl 'reisen'
hethitisch: na4 ZI.KIN = na4 huwasi
hieroglyphen-luwischen: waniza
im Alten Testament: Masseben
Kulturenübergreifend
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„Am toten Mann“ - „Totenkopf“ - „Rennpfad“ oder „-weg“. Zugleich ein Beitrag zur Römerstraßenforschung.
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Marie Eysn
Reisichthäufung in Nieder-Österreich.
Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 8 (1898) 544-456.
Mit Quellen zur Reisichthäufung über `Toten´ als Beleg der weltweiten Verbreitung: Andree, Ethnograph. Parallelen, 46—88. Liebrecht, Zur Volkskunde, S. 267ff. K. Weinhold: Altnordisches Leben. 474 ff. Krauss, Mitteil. d. Wiener AnthropoL Gesellschaft 1885. Verhandl. d. Ber. anthrop. Gesellschaft 1894, S. 254. Ztschr. f. Ethnol. 1888, S. 288. 1893, S. 282. Zeitschr. f. Völkerpsychol. XII, 239. 309. Zeitschr. f. österr. Volksk. I, 296. III, 3. Urquell I, 121. IV, 15. 53. 173. V, 235. VI, 220. Schwally: Leben nach dem Tode nach den Vorstellungen des Judentums, S. 52 f. Priklonski/Krauss: Schamanentum der Jakuten 1887. 0. Baumann: Durch Massailand zur Nilquelle, 207.
E. Grohne
Der tote Mann.
Niederdeutsche Zeitschrift für Volkskunde 1 (1923) 73 ff.
Haupt
Der „Todte Mann“ und der „Todte Junge“.
in: Schlesische Provinzblätter Breslau, Neue Folge, 6 (1867) 475-476
Hentschel, Karl-Heinz
Der Ettlinger „Tote Mann“ aus neuer Sicht.
In: Hierzuland 9.18 (1994) 48-59
Herr, Oskar
Steine am Wege. Die Zeugen mittelalterlichen Rechts in der Preussischen Oberlausitz.
15 S. 1 Kt., 102 Originalaufnamen, 31 Tafeln. Naturforschende Gesellschaft zu Görlitz [Museum] 1929.
Flurnamen: Der tote Junge, Totenmannsweg, Totenmannshau
Hoffmann-Krayer, Eduard
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Band 8 Silber - Vulkan. 2021
S. 413 mit Verweis auf Grohne. Der Flurname „Toter Mann“ ist mit den Steinhaufen verbunden.
Lamprecht, Otto
Der tote Mann.
in: Blätter für Heimatkunde (Graz), 5 (1927) 12-16
Rothe, Manfred
Vom „Toten Mann“ bei Bergheide.
in: Finsterwalder Heimatkalender, 30 (2003) 41-43
Schmauks, Dagmar
Der tote Mensch als Zeichen.
Zeitschrift für Semiotik 27.4 (2005) [321]-509
Schmidt, Rudolf
Der „Tote Mann“ in brandenburgischen Landen.
Das Kleindenkmal 7 (1983) 2
W. von Schulenburg u.a.
Landeskunde der Provinz Brandenburg.
Berlin 1912: Reimer. Bd. 3, S. 260
Fr. Sieber
Der „Tote Mann“ in den beiden Lausitzer und den Nachbarlandschaften.
Abhandlungen und Berichte der Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte der Oberlausitz, zugl. Geschichtsverein für Bautzen und Umgebung 8 (1930) 33-49
Online
Winter, Reinhold
Der Tote Mann, eine Urform der Totenpflege.
in: Niederlausitzer Mitteilungen 18 (1927) 196-203
Weißer Stein (albus lapis)
»ich leiste einen Eid bei jenem geweihten weißen Steine, daß ich mit Dietmars Sohn nichts zu schaffen hatte«
Gudrubs Schwur im dritten Lied der älteren Edda, zitiert nach: Johannes Baptista Friedreich: Die Symbolik und Mythologie der Natur. Würzburg 1859 S.122
Skirados … bei Delphoi, der Skiras `Gipsfelsen´ bezeichnet öfter Athenaheiligtümer an Trauerfelsen, kennzeichnet den Zugang in die Unterwelt, Athena skiras ist die weiße, harte Göttin … weißer Stein kennzeichnet Grenzen außerhalb der Polis, etwa Weideland
28); Scheria »im äußeren Meer« (
Homer Odyssee 5, 440 ff) > Kerkyra > Korfu
»Quer über den Stein geht die Grenzlinie [Kirchspiel Koprina, Grenze Russland-Schweden]. Die Bauern nennen diesen Stein Walkia kiwi, der weisse Stein, obgleich er grau von Farbe ist.«
S. 97 in: Peter von Köppen
Erklärender Text zu der ethnographischen Karte des St. Petersburger Gouvernements.
Commissionäre der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, St. Petersburg 1867
Klüber, Johann Salomon
Instruction für verpflichtete Landesschieder, Grenzsteinsetzer, Marker, Feldgeschworne, Feldsteupler, Feldschieder, Siebener, Umgänger oder Untergänger.
Erlangen 1838
Oettinger, Johann
Tractatus de iure et controversis limitum ac finibus regundis, oder gründlicher Bericht von den Gräntzen und Marcksteinen.
Ulm 1642
Philippi, Nikolaus
Grenzsteine in Deutschland.
Entstehung und Geschichte der Grenzsteine als Steinere Zeugen in Wald und Flur.
Bad Langensalza 2009
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