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wiki:schusters_rappen

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Auf Schusters Rappen

Scherzhafte Metapher für `zu Fuß reisen´ oder `lange Strecken zu Fuß gehen´ mit der Nebenbedeutung `weil man sich nichts anderes leisten kann´.

  • 1644: »man ist übel beritten auff deß Schusters Rappen« 1)
  • 1686: »Dieser kennt mich nicht mehr, aber ich ihn wohl. Sein Vater war ein spitzfediger Mann, denn er ist ein Nadelmächer gewest; sein Mutter war ein sauberes Weib, denn sie war eines Wäschers Tochter. Dieser ist jetzt so groß, daß er im Wagen fährt, der vorher auff des Schusters Rappen geritten.« 2)
  • 1690: »Darmit nahm er sein traheme post te wieder auf den Buckel, ergriffe das Vademecum oder den Bothen-Spieß bey der Hand und traballirte immer auf des Schusters Rappen seines Weges fort.« 3)
  • Met Schausters Rappen föhren (Sprichwort) 4)
  • drauf lief ich, wie ein don Quischott,
    hinab hinan die erde,
    bald kuhschritt und bald hundetrott,
    auf meines schusters pferde. 5)

Die nächstliegende Deutung von `Schusters Rappen´ als `schwarze Stiefel´ verweist auf eine Entstehung im oberdeutschen Sprachraum, denn dort enstand der Begriff `Schuster´ 6) im 15. Jahrhundert und dort wurden dunkle Pferde seit Anfang des 16. Jahrhunderts als `Rappen´ bezeichnet, als ein besonders edles Pferd. Aus diesem Sprachraum stammen auch die ältesten Belege. Für diese Deutung spricht auch, das dasselbe Bild (reiten > zu Fuß gehen) sowohl in älteren Metaphern (auf dem Apostelpferd reiten) sowie in benachbarten Sprachen verbreitet ist, (Beispiele siehe unter zu Fuß reisen).

Eine andere Deutung findet den Begriff im südwestdeutschen Raum (Breisgau) unter dem Einfluss des Alemannischen; dort ist `rapp´ der Rabe, im 14. Jahrhundert der `Kolmar-Rappen´ (Elsass) und seit dem 15. Jahrhundert der `Rappen´ (Freiburg) eine kleine schwarze Münze mit einem Vogelkopf (Rabe?); `berappen´ (`die zeche bezahlen´) wanderte aus der Studenten- und Gaunersprache (Rotwelsch) über die schwäbische Krämersprache ins Hochdeutsche ein (19. Jahrhundert) 7).

Der Beschuhte ist eine Art Reiter

Der älteste bildhafte Vergleich (zu Fuß gehen > Reiter) findet sich bereits im Koran als Ausspruch Muhammads »al-munta'ilu ahadu r-rakibaini« `der Beschuhte ist eine Art Reiter´, jedoch auch in anderen mittelalterlichen arabischen Quellen 8), eindeutig spottend.
Im 15. Jahrhundert dichtet Michael Beheim im Buch der Wiener 1462 - 1465 ((Hölzl Wien, S. 203, Z. 29)

Wir musten all zu fußen gan,
man sach viel manchen werden man
reiten auff seiner muter voln.

Auf dem Apostelpferd reiten

1)
Georg Philipp Harsdörffer
Das Schauspiel teutscher Sprichwörter
Gerhardt, Nürnberg 1644/1657, S. 338
2)
Abraham a Santa Clara
Judas Der Ertz-Schelm Für ehrliche Leuth
Erster Thail, Band 1, Haan, Salzburg 1686, S. 305
3)
Europäischer Mercurius oder Götter-Both: das ist jetzt lebend- und regierender Potentaten Kriegs- und Friedens-Actiones, darinnen monatlich dem curieusen Liebhaber deroselben Staats-Maximen, getroffene Alliantzen, blutiggehaltene Scharmützel, hart-beschehene Belägerungen, glücklich-gethane Eroberungen etc., samt allem, was sich sonsten im ganzen Europa hin und wieder am Merck- und Denckwürdigsten begeben und zugetragen; von einer unparteyischen Feder vor Augen gestellt werden. Nürnberg 1690, Jan.-Febr S. 72
4)
KFW Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon: Sattel bis Wei, Band 4, Brockhaus, 1876, S. 401 Nr. 41 und 43, 1387 Nr. 70: Übel beritten auf Schusters Rappen
5)
Johann Gottfried Seume
Lebenslauf Jeremias Bunkels, des alten Thorschreibers
6)
aus schuo(ch)ster < mittelhochdeutsch schuochsūter, aus: schuoch und sūter (lat.), also `Schuhnäher´; im Norddeutschen war es der Schumacher. Entsprechend ist `Schumachers Rappen´ selten und erst durch Johann Peter Hebel 1850 im „Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes“ stärker verbreitet.
7)
Lutz Röhrich\\ Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Band 1-5, Herder, Freiburg, Basel, Wien 1994 und dort weitere Deutungen.
8)
Anton Spitaler
al- Qalamu aḥadu l-lisānaini
Beck München 1989 82 S., hier: S. 26 Nr. 65; =Bayerische Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-Historische Klasse: Sitzungsberichte ; Jg. 1989, H. 2) ==== auf der Mutter Fohlen reiten ==== Aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts stammen gleichzeitig die Erstbelege für »auf der Mutter Fohlen reiten« (`uf siner muoter vüln´) sowie an gleicher Stelle synonym »er reitet der Zwölfboten Pferd« (`er ritet der zwelfboten pfert´) ((Heinrich von Freiberg
Tristan
Verse 2191 und 2195, z.B. in: Alois Bernt
Heinrich von Freiberg mit Einleitungen über Stil, Sprache, Metrik, Quellen und die Persönlichkeit des Dichters
Niemeyer Halle 1906
wiki/schusters_rappen.1597903605.txt.gz · Zuletzt geändert: von Norbert Lüdtke

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