Kein Fernreisemobiltreffen im Corona-Jahr 2020!

erstellt am 23. April 2020; zuletzt aktualisiert: 29. August 2020  Zitieren mit Quellenangabe: Fernreisemobiltreffen.de, Norbert Lüdtke

»Zum Aufsetzen des Fußes genügt eine kleine Stelle,
aber vorwärts kommt man nur mit viel freiem Raum vor den Füßen.«

Chuang-tzu, ca. 365-290 v. Chr.

Liebe Freunde des Fernreisemobiltreffens,

schweren Herzens müssen wir unser Treffen leider absagen!
Wir haben einvernehmlich mit der Gemeinde Enkirch entschieden, dass das Fernreisemobiltreffen 2020 nicht stattfinden wird. Gemeinsam mit der Gemeinde hoffen wir nun, dass das Treffen 2021 möglich sein wird.

Die Corona-Bekämpfungsverordnung Rheinland-Pfalz lässt derzeit nur Veranstaltungen mit bis zu 350 Personen zu; weitere Lockerungen sind nicht in Aussicht.
Stattdessen verläuft die Pandemie »beunruhigend« (RKI); im nahen Luxemburg mehren sich die täglichen Neu-Infektionen seit rund vier Wochen, in Belgien seit einigen Tagen.
Das macht sich bereits in den grenznahen Kreisen auf deutscher Seite bemerkbar.

Wir wünschen aber  allen Fernreisemobilisten gesund zu bleiben und den Sommer unterwegs in Deutschlands oder Europas schönsten Ecken und Winkeln zu genießen!
Und sollten wir uns nicht zufällig über den Weg laufen, sehen wir uns 2021 hoffentlich wieder!

Gute Fahrt und paßt auf euch auf, liebe Grüße
Sonja, Ulla und Norbert

Wie machen das die anderen?

Veranstaltungen für Globetrotter 2020  eine aktualisierte Übersicht beim Wüstenschiff-Forum.

Caravan Salon Düsseldorf verschoben auf 5. bis 13. September 2020

Campingmessen ab September - eine aktualisierte Übersicht bei Promobil.

Themenübersicht

1. Rechtliche Voraussetzungen für Treffen

2. Verhaltensregeln bei Treffen

3. Perspektiven fürs Unterwegs-Sein

4. Pandemiestatus, Expertensicht & Langzeitprognosen

 Freiwillige Selbstisolation

Die Folgen der Pandemie für Globetrottertreffen

Rechtliche Grundlagen

  • Vorgaben des Landes Rheinland-Pfalz - die 10. CoBeLVO gilt bis 15.09.2020.

  • Hygienekonzepte für Veranstaltungen, Wohnmobilstellplätze (Beherbergungsbetriebe) u.a.

  • Keine Anreise aus Risikogebieten, siehe die  Deutschlandkarte und Länderliste des Robert Koch-Institutes RKI.

    Diese werden aktiviert, wenn Landkreise bzw. Städte mehr als 50/35 (Bayern) Neu-Infektionen pro 100.000 Einwohner in 7 Tagen (»Inzidenz«) verzeichnen.

  • Je nach formaler Definition des Treffens ändern sich die Vorschriften:
    Was ist ein Globetrottertreffen: Veranstaltung - Versammlung - Zusammenkunft?
    Wo findet es statt: Im öffentlichen Raum - Auf privatem Gelände?
    Wie findet es statt: Im Freien - Unter freiem Himmel - Im geschlossenen Raum?

  • Prinzipien der Risikoeinschätzung und ‎Handlungsempfehlung für Großveranstaltungen (RKI).

  • Das bundesweite Verbot von Großveranstaltungen bis mindestens 31. Dezember 2020;
    die Definition obliegt den Bundesländern.

  • Regeln für Gastronomie in §7, wenn Speisen und Getränke angeboten werden.

  • Regeln für Beherbergungsbetriebe in §8 der CoBeLVO Rheinland-Pfalz,

    denn ein Wohnmobilstellplatz gilt als Beherbergungsbetrieb.

     

Beschränkungen und Maßnahmen 

  • Öffnung der Reisemobil-Infrastruktur, u.a. des Reisemobil-Stellplatzes in Enkirch.
    Status: Seit 13. Mai sind Wohnmobilstellplätze in Rheinland-Pfalz geöffnet,

    seit dem 10. Juni uneingeschränkt für alle Wohnmobile (auch ohne eigene sanitäre Anlagen)
    .

  • Veranstaltungen  (im  Freien) sind zulässig unter  Beachtung folgender Schutzmaßnahmen:
    Kontaktbeschränkung
    Abstandsgebot
    Personenbegrenzung
    Kontakterfassung

  • Dies umzusetzen erfordert unabhängig von der Personenzahl:

    • verbindliche Hygieneregeln und Maßnahmen des Hygieneschutzes für alle Teilnehmer;

    • eine Anmeldung mit Angabe aller teilnehmenden Personen im Fahrzeug (= ein Haushalt);

    • eine Begrenzung der Gesamtanzahl der Teilnehmer, also eine nummerierte Anmeldeliste;

    • eine Begrenzung der Anzahl der Teilnehmer pro Fläche, also erhöhter Fahrzeugabstand.

  • Es erfordert zudem  den Ausschluss

    • nicht angemeldeter Personen;

    • von »Personen mit Symptomen einer Atemwegsinfektion«;

    • von Personen aus »Risikogebieten« (s.o.)

    • von Personen die nicht willens sind, sich an die vorgeschriebenen Regeln zu halten.

Die Reisefreiheit und deren Einschränkungen

  • Die Reisefreiheit innerhalb Deutschland
    wird
    durch die Behörden der Länder eingeschränkt, siehe die Übersicht des Deutschen Touristenverbandes.
  • Die Warnung vor touristischen Reisen weltweit
    erließ Außenminister Heiko Maas (SPD) erstmals am 17. März, das Auswärtige Amt informiert , siehe → FAQ. Unterschieden werden:

    • Reisehinweise für (derzeit etwa 29) europäische Länder.

    • Reisewarnungen für (derzeit etwa 160) Nicht-EU-Länder.

  • Die Reisefreiheit innerhalb der EU
    kann verschiedentlich eingeschränkt sein, insbesondere wenn angrenzende Länder oder Regionen als Risikogebiet ausgewiesen werden:
    • Reisen sind derzeit ohne triftigen Grund möglich.
      Einschränkungen der Ein- und Ausreise (→ FAQ der Bundespolizei) betreffen unterschiedlich:

      • Deutsche (dürfen in jedem Fall einreisen)
      • Reisende EU-Bürger

      • Reisende mit Schengen-Visum (Nicht-EU-Bürger)

    • Grenzübergangsstellen sind derzeit offen, können jedoch wieder geschlossen werden.

      Liste beim Bundesinnenministerium BMI.
    • Grenzkontrollen sind stichprobenartig möglich und erzeugen je nach Umfang Wartezeiten und Staus.

    • Die Kontroll- und Fahndungsmaßnahmen der Bundespolizei im 30-Kilometer-Grenzraum sind möglich.

    • Quarantänebestimmungen regelt das jeweilige Bundesland.
      Im Einzelfall entscheidet das zuständige Gesundheitsamt im Grenzbezirk.

    • Testpflicht für Einreisende aus Risikogebieten an Corona-Testzentren.

  • Reisende außerhalb Deutschlands unterliegen den Regelungen der Reiseländer:

    • Für die Situation zwischen den EU-Ländern → Übersicht beim ADAC

    • Einreise- und Visumvorschriften, Einreisebeschränkungen und -verbote, geschlossene Grenzübergangsstellen, siehe →  Übersicht für alle Länder weltweit (travel restrictions);

    • Einschränkungen im internationalen Luft- und Reiseverkehr, geschlossene Häfen und Flughäfen;

    • kurzfristige Änderungen der Flugpläne (flight cancelled);

    • Quarantänemaßnahmen, obligatorisch oder in Selbstüberwachung des Gesundheitsstatus;

    • Einschränkungen des öffentlichen Lebens in vielen Ländern.

2. Verhaltensregeln bei Treffen

Für Versammlungen, Veranstaltungen, Zusammenkünfte müssen situationsgerechte Hygienekonzepte formuliert werden. Diese begründen sich sachlich an den fachlichen Beurteilungen der zuständigen Bundesbehörden (siehe unter 4).

Gemeinsam mit Anderen am Feuer oder draußen am Tisch: 

  • Konsens über die Regeln untereinander herstellen:
    ► Wie viele sitzen zusammen? Abstand > 1,5 Meter.
    ► Nicht gegenüber sitzen, sondern im Halbkreis.
    ► Nicht auf den Boden spucken.
    ► Soll ein Mund-Nase-Schutz getragen werden?

  • Best Practice: Jeder sorgt ausschließlich für sich selbst.

    ► Eigenes Ess- und Trinkgeschirr mitbringen.
    ► Ebenso: Knabbereien, Gläser, Flaschen, Kippen, Korkenzieher, Flaschenöffner ...
    ► Jeder nimmt seine Utensilien und seinen Abfall wieder mit zum eigenen Reisemobil.
    Lunchbox, Brotdose, Henkelmann u.ä. für Take-Away-Angebote der Gastronomie > weniger Müll.

  • Hygiene
    ► Gemeinsam genutzte Flächen (Tisch ...) anschließend reinigen bzw. desinfizieren.
    ► Papiertaschentücher, Küchenpapier, Servietten, Mund-Nase-Masken, Zigarettenkippen
    usw.:
    getrennt sammeln, in Papierbeuteln (Brötchentüte) trocken aufbewahren, möglichst verbrennen:
    im Grillfeuer, Feuerschale, Feuerkorb, improvisiert: Spiritus in Konservendose auf Sand in Blumentopf 

My Home is my Castle: Hygieneschleuse & Selbstisolation im eigenen Reisemobil

  • Hände waschen ist selbstverständlich - aber:
    Was ist mit Brille und Portemonnaie, Smartphone und Tablet?

  • Mundhygiene wie Zähneputzen ausschließlich auf dem eigenen Stellplatz.

  • Hygienisch besonders exponiert:
    ► Alles, was am und im Mund war: Besteck, Gläser & Tassen, Zahnbürste, Zahnstocher
    ► Spüle & Spüllappen, Handtuch, Wasserhahn, (Tür-)Griffe, (Licht-)Schalter

  • Alles, was ins Reisemobil gebracht wird, vorher waschen oder desinfizieren.
    ► Sprühflasche mit Seifenwasser vor dem Reisemobil bereitstellen.
    ► Putz- & Spüllappen, Handtücher draußen trocknen lassen.

  • Schuhe, Mund-Nase-Schutz, Abfall, benutzte Flaschen bleiben draußen:
    trocken, am Haken, im Beutel oder in einer Kiste mit Deckel.

Reisemobiltourismus und Campingtourismus in den Positionspapieren von Verbänden.

► 184 Seiten mit Berichten gestrandeter Globetrotter rund um den Globus finden sich in der Sonderausgabe des TROTTER, der Zeitschrift der Deutschen Zentrale für Globetrotter e.V. DZG.

3.  Perspektiven fürs Unterwegs-Sein  

Solange das Virus irgendwo ist, wirkt es als wäre es überall.
Oder: Niemand ist sicher, solange nicht alle sicher sind.

Solange werden wir mit einer Situation leben müssen, in der Hygiene wichtiger als Händeschütteln ist, Abstand wichtiger als Umarmen, die Kontrolle der Grenze wichtiger als Reisefreiheit

Der Tourismus als Einnahmequelle wird zwar vermisst, die Freiheit vom Overtourism jedoch begrüßt. Viele Zielgebiete werden Tourismusmassen künftig anders kanalisieren. Von einer Befreiung aus der »Sklaverei des Massentourismus« spricht Dario Nardella, Bürgermeister von Florenz, am 12. Mai 2020.

Das Fernreisemobil mit fremdem Kennzeichen bringt künftig nicht einfach nur Reisende, sondern vielleicht auch »die Krankheit«. Den Reisenden begegnen vermehrt Sorge und Mißtrauen statt Neugier und Offenheit.

In der Not sind meist die Fremden schuld: Für die einen ist es das chinesische Virus, für die anderen das Virus der Weißen. Kinder zeigen auf Touristen und rufen: »Corona«. 

Reisen wird lange Zeit anders sein, die Weltanschauung wird sich ändern. Offene Grenzen waren gestern. Fernreisemobilisten haben gelernt, dass man auch in Europa stranden, sich beim Aufwachen in Quarantäne wiederfinden kann, auf Stellplätzen nur geduldet wird: Im März 2020 befanden sich etwa 600.000 Europäer außerhalb Europas, im Mai waren es noch 50.000 Reisende in einer Robinson-Situation, wie es sie zuletzt während des WKII gegeben hat: Reisen als Flucht.

► Wie wirksam sind Reisebeschränkungen?  Sibylle Anderl (FAZ 09.05.2020) wertete acht Studien aus.

Das unerträgliche Gefühl des Eingesperrt-Seins 

Die »Tricolore der Touristen« flattert nicht mehr: Freiheit, Sicherheit, Gesundheit offenbaren sich als »Leerbegriffe« (Luhmann), die man zwar anstreben, aber nicht garantieren kann. Doch welche Alternativen gibt es?

  • Verkriechen: Ängstlich zu Hause zu bleiben löst das Problem nicht. Und wer hält das jahrelang aus?

  • Leugnen: Weltfremde Ideologen und Sektierer bekämpfen das Virus durch Ignoranz und geben es munter weiter.  Verantwortlich ist das nicht.

  • Vorsorgen: Fernweh und Reiselust wollen gelebt werden - aber wie organisiert man das unter einem Regime von Hygiene, Kontaktverbot, Abstandsgebot, Ausgangssperre, Quarantäne bei unvorhersehbaren Ausbrüchen und Wellen der Pandemie?

Die touristische Infrastruktur wird überall Abstandsregelungen und Hygienemaßnahmen umsetzen müssen.
Diese sind im ländlichen Umfeld, im Freien und mit manchen Konzepten einfacher umzusetzen:

  • Selbstversorger mit autarken (Fern-)Reisemobilen

  • Mit eigenem Fahrzeug & Fahrrad statt öffentlicher Verkehrsmittel

  • Ferienhäuser und Camper, Wohnmobil-Hafen

  • Urlaub auf dem Bauernhof, Ponyhof und ähnliches mit großen Außenflächen

  • Gastronomie und Beherbergungsbetriebe im Außenbereich mit Stellflächen

  • Aktivitäten unter Vordächern, Markisen, offenen (Party-)Zelten
    an Grillhütten, auf Jugendzeltplätzen oder Pfadfinderplätzen

  • Wandern, Radfahren, Bergsteigen, Kanufahren und die zugehörige Infrastruktur

Freies Zelten für Alle: Nils Erich plädiert in der ZEIT für ein Jedermannsrecht wie in Skandinavien! 

Virenschleudernde Höhepunkte der Geselligkeit: Sex, Spiel, Sport, Spiritualität

Die Karnevalsfeier in Heinsberg, die Apres-Ski Bars in Ischgl, die Feiern der Fußball-Fans in Bergamo,
der Berliner Club Trompete, spirituelle Massenveranstaltungen u.ä. gelten als Hauptübertragungssituationen.
Einfach zu merken mit der 4S-Regel: Sex, Spiel, Sport, Spiritualität -  Superspreading Events SSE

Deren gemeinsame Merkmale galten bisher als Spassfaktoren. Jetzt sind es Risikofaktoren:

► viele Menschen, die Nähe Anderer suchend
► lachend, rufend, schreiend, singend, grölend, keuchend, siehe → mehr Infos dazu
► in geschlossenen Räumen mit geringem Luftaustausch
► distanzarm und enthemmt durch Ausgelassenheit und Alkohol

Solange ein Impfstoff nicht massenhaft verfügbar ist, helfen gegen das Wiederaufflackern der Pandemie nur: 

1. Hauptübertragungssituationen meiden

2. Anzahl der Personenkontakte minimieren

3. Sich im Freien begegnen, Abstand halten und geschlossene Räume meiden

Viren gelangen aus dem Rachenraum in die Luft, als Tröpfchen oder in kleineren Aerosolen.
Tröpfchen fallen schnell zu Boden, also:
► 1,5 m Abstand schützt,
    außerdem die direkte Ansprache (face-to-face) möglichst kurz halten.

Aerosole verweilen in der Luft, also:
► in geschlossenen Räumen den Luftaustausch erhöhen durch Querlüften, Dauerluftstrom, Stoßlüften
    sowie Klimaanlagen und Klimageräte mit HEPA-Filtern.
► im Freien helfen trockenes Wetter,  Wind und UV-Strahlung.

4. Hygienedisziplin wahren, weil Schmierinfektion über Speichel, Spucke, Rotz möglich ist.

► Nicht Spucken

► Bei Husten und Niesen Nase und Mund bedecken

► Rufen, Keuchen, Grölen, Singen usw. insbesondere in geschlossenen Räumen meiden

Mund-Nasen-Bedeckung im öffentlichen Raum: Stellungnahme des RKI
»Community-Masken«: Merkblatt des BZgA sowie  Hinweise des BfArM  

5. Virenlast senken

Das Corona-Virus kann durch Abwaschen mit Seife oder Alkohol (min. 80%) deaktiviert werden.
Wischen ist wirksamer als Sprühen; mindestens 20 Sekunden Einwirkzeit.

Reinigung und Desinfektion von Oberflächen: Hinweise des RKI
Händedesinfektion und Desinfektionsmittel: Stellungnahme des RKI 

4. Pandemiestatus & Expertensicht & Prognosen 2020-2021-2022