Die Gemeinschaft der Globetrotter in Deutschland

Wer ist ein Globetrotter? Eine gemeinsame Leidenschaft

 

von Norbert Lüdtke

»Die Tierchen, die nicht fliegen, leicht zu Fuß, doch schwer zu kriegen.« - Der uns unbekannt gebliebene Dichter hat's getroffen: Globetrotter reisen mit offenem Ende, die Reisedauer bleibt unbestimmt. Ziele werden mitunter bedeutungslos, die Reise führt weiter.

Immer wieder wird versucht, »Globetrotter« zu definieren. Darüber zu reflektieren verhilft oft zu neuen Einblicken, führt aber nicht zu eindeutigen Ergebnissen. Ich wüßte auch gerne, wie man einen Globetrotter erkennt. Also erscheinen solche Versuche als begrenzt, denn was ein Globetrotter ist, entscheidet sich nach Übereinkunft. Der Vielfalt der Reisestile und Fernreisemobile steht eine gemeinsame Leidenschaft gegenüber, die zu ähnlichen Erfahrungen und Werten führt. Dennoch geht jeder seinen eigenen Weg.

Begnügen wir uns doch damit, daß wir leidenschaftlich reisen, daß wir uns alle vom Reisen hinreißen lassen unser Leben so zu gestalten, daß viele Menschen ängstlich zurückschrecken. Begnügen wir uns damit, daß diese Leidenschaft immer mal wieder durchbricht, auch wenn in jahrelangen Pausen etwas anderes wichtiger wird. Diese Leidenschaft verbindet uns. 

Natürlich garnieren viele ihre Leidenschaft, pflegen Marotten, bevorzugen reisend dies oder das. Diese Marotten und Interessen muß man nicht teilen, soll doch jeder nach seiner Façon reisend glücklich werden, es sei von ganzem Herzen gegönnt. »Jede Jeck es anders«, weiß der Volksmund in Köln seit Jahrhunderten, und der Satz eines Sprayers: »Leute ohne Macke sind Kacke« zierte nicht nur die Essener Uni.

Was eine Gemeinschaft von Globetrottern ausmacht ist auf Globetrottertreffen zu erspüren, jeder Teilnehmer weiss davon zu berichten. Ins Auge springt jedoch, dass alle Teilnehmer so verschieden erscheinen. Dabei spielt besonders das Alter eine Rolle. Die Welt hat sich geändert, das Reisen hat sich geändert, und wer heute aufwächst macht andere Reise-Erfahrungen, verbindet Reisen und Leben auf eine andere Art und Weise. Kann es also heute keine Globetrotter mehr geben?

 

Die Gemeinsamkeit offenbart sich paradoxerweise in der Vielfalt und in der eigenwilligen Lebensweise. Doch zu behaupten, dem einen oder anderen sei die Leidenschaft des Reisens fremd, erscheint mir vermessen. Laßt uns doch lieber das suchen, was uns verbindet. Das, was uns trennt, genießen wir dann als liebenswürdige Eigenart, als schillernde Vielfalt! Ärgerlich ist allerdings, daß es keinen Begriff gibt, der das auf den Punkt bringt. Natürlich, wir sind gleich Gesinnte, doch von »Gleichgesinnten« zu sprechen provoziert leicht die Rückfrage nach der Art dieser Gesinnung. So bleibt uns nicht viel anderes übrig als zu sagen:

»Wir Globetrotter!«

Meinungen

 

"Im Menschen ist etwas, das stärker ist als er, das ihn Wege gehen läß, die ohne Ziel scheinen. Dennoch ist glücklich, wer auf ihnen geht." (ALEXANDRA DAVID-NÉEL)

"... jemand, der durch die ganze Welt zieht und ein unstetes Leben führt..." (DUDEN, Bedeutungswörterbuch, 1970)

"Für Globetrotter ist Reisen kein befristetes Nebenbei oder ein Urlaub, sondern eine Leidenschaft, die sich als roter Faden durch ihr ganzes Leben zieht und die, wenn es zur Konfrontation kommt, stärker ist als der Wunsch nach beruflichem Erfolg oder nach sozialer Sicherheit." (REINHOLD KORTE, TROTTER 16/17, 1978)

"Ein Globetrotter ist meiner Meinung nach jemand, der nicht nur andere Länder, sondern auch deren Menschen, Lebensweise, Geschichte, unterschiedliche Weltanschauungen, Religion, Pflanzen- und Tierwelt kennlernen möchte, und zwar individuelle und auf eigene Faust und unabhängig, soweit das geht. Er setzt seine Pläne um, wie seine Mittel es ihm erlauben, und träumt doch immer wieder von neuen Unternehmungen... Er ist nicht zuletzt jemand, der sich über die kleinen Dinge noch freuen kann, und mit Lust und Liebe bereit ist, seine Vorurteile zu berichtigen. Jemand, der den Menschen gegenübertritt und zumindest versucht, für die Verständigung aller Menschen auf unserem Globus etwas zu tun. Kurz gesagt: Ein Globetrotter möchte unsere Erde, nicht nur die Oberflächlichkeiten sehen." (BERND BÖWE, TROTTER 16/171978)

"Globetrotter bereisen die Welt mit Hautkontakt, mit Liebe im Herzen für Land und Leute, mit viel Neugierde und ein wenig Mut, Ungewohntes einzugehen." (Dr. LUDWIG RÖMHILD, TROTTER 13, 1978)

"Ein Globetrotter ist ein anspruchsloser Individualist, der auf eigene Faust mit viel Zeit und Muße durch die Welt reist, vorzugsweise in Entwicklungsländer und abgelegene Gebiete." (LUDMILLA TÜTING, TROTTER 13, 1978)

"Allzugerne wurde man Anfang der Siebziger Jahre noch als "Drückeberger und Faulenzer" bezeichnet... Bilden wir uns es ein oder ist "ein Globetrotter" heute tatsächlich "gesellschaftsfähiger" als früher? Wir meinen, daß die dzg ihren Teil zur "Klimaverbesserung" beigetragen hat... Oder wer wird heute noch von wem "Edelgammler, traurige Erscheinung, Nichtstuer, Drückeberger, Nassauer, Schnorrer, Zigeuner, Nomade, Spinner, Hippie, Halbhippie" o.ä. genannt?" (LUDMILLA TÜTING, TROTTER 25, 1980)

"Für mich ist das Globetrotterdasein mehr als Reisen! Das Merkmal eines weltoffenen und weitgereisten Globetrotters ist die freundliche und unvoreingenommene Toleranz und der liebevolle Umgang mit Mensch und Natur." (BERT SIMON, TROTTER 74, 1994

© by Norbert Lüdtke , Archiv zur Geschichte des Individuellen Reisens AGIR, www.reisegeschichte.de.

Quellen: DER TROTTER. Zeitschrift der Deutschen Zentrale für Globetrotter dzg www.globetrotter.org.