Reisekunst

engl. art of travel, französisch arts de voyager
»Reisekunst« als allgemeinster Oberbegriff umfasst die Frage des »richtigen« Reisens und verbindet unterschiedliche Gattungen der Reiseliteratur mit gesellschaftlichen Werten und persönlichen Zielen als Lehre oder Schule mit Bildungsauftrag, im ausgehenden Mittelalters auch im Gegensatz zur negativ besetzten Peregrinomanie oder currendi libido. Die Ausgestaltung der Reisekunst unterliegt dabei den Zeitläuften, bedient die Reise-Generationen und Lebensreisestile. Gemeinsam ist ihnen das Unterwegs-sein, doch zu verschiedenen Zeiten treten dabei unterschiedliche Begriffe in den Vordergrund, etwa:

Im Unterschied dazu überlassen es die primär nützlichen technischen und handwerklichen Anleitungen dem Reisenden selber, wozu er sein Wissen einsetzt:

Technik und Kunst haben gemeinsame Wurzeln, die »Handwerkskunst« ist beiden zu eigen 1)
Technik nutzt ein Minimum an Aufwand, um den gewünschten Zweck optimal zu erreichen. Ihr Mittel ist das Werkzeug, ihr allgemeinster Zweck die Nützlichkeit, ihr allgemeinstes Ziel die Macht über die Natur.
Grimms Wörterbuch zitiert Campe kurz und knapp: »reisekunst, f. die kunst, mit nutzen und den wenigsten kosten zu reisen.«

Kunst nutzt ein Minimum an Aufwand, um ein Maximum an Sinn und Bedeutung auszudrücken. Ihr Mittel ist das Symbol, ihr allgemeinster Zweck ist das Gute, Schöne, Wahre, ihr allgemeinstes Ziel die Nähe zur Natur.
Frühere Kulturen unterschieden nicht zwischen Technik und Kunst: Was nützlich war, mußte auch schön sein. Diesen Zusammenhang zwischen Kunst, Reisetechnik und Sehnsucht sieht auch Herrmann Hesse (1877-1962) und sagt:

Das ist Reisekunst: im Weltenreihn mitzufliehn und 
nach geliebten Fernen auch im [[wiki:rast|Rasten]] unterwegs zu sein.

Literatur


siehe auch

1)
Lewis Mumford: Kunst und Technik. Kohlhammer Stuttgart 1959
Herbert W. Franke: Kunst kontra Technik? Fischer Frankfurt 1978