Multilokales Leben

Ein modischer Begriff, der zum einen das Bedürfnis spiegelt, sich nicht festzulegen und zum anderen auch als Begriff nicht zu fassen ist: weder als Aspekt des Nomaden, noch als Reisen noch als lokales Leben, setzt jedoch »Lokales Leben« voraus, also

Das deutsche Recht verwendet den Begriff Lebensmittelpunkt, wenn die genannten Kriterien ein beständiges Muster ergeben, kennt aber wegen der vielen Gestaltungsmöglichkeiten keine Definition. Lebensmittelpunkt ist für das Ordnungsamt etwas anderes als für das Finanzamt; auch Sozialversicherungen legen ihn anders fest - begründete Ausnahmen sind in jedem Fall möglich. Sogar der »Lebensmittelpunkt Straße« wird ohne jede Ironie in soziologischen Veröfffentlichungen verwendet, etwa für Obdachlose oder »Fahrendes Volk«, dabei wäre hier »multilokales Leben« eigentlich treffender.

Zwei Lebensmittelpunkte zu organisieren erscheint dem gegenüber als gesteigerte Herausforderung und müsste dann »bilokales Leben« genannt werden. Die Fähigkeit zur Bilokation wird jedoch theologisch manchen Heiligen zugeschrieben wie dem Franziskus von Assisi, während die Psychologie darin eine Dissoziation erkennt, also ein psychopathologisches Krankheitsbild (engl. wandering mind).

»Multilokales Leben« erscheint also eher als ein individualistischer Lebensstil mit dem Bemühen, keine dauerhaften Beziehungen zu irgendeinem Lebensmittelpunkt einzugehen, im engsten Sinne also Verantwortlichkeiten und damit Bindungen und Beziehungen zu minimieren und weitgehend a-sozial zu leben. Solches Bemühen verbindet es pradoxerweise mit Cocooning.

Ein solches Leben mit einem Erwerbsleben zu vereinbaren erfordert Kompromisse und damit mindestens einen Wohnsitz und ist ohne Behörden nicht zu haben; Gestaltungsansätze finden sich in Konzepten zu:

Literatur