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wiki:voelkerkunde

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 Wer kann denn auf Anhieb den Unterschied zwischen [[https://www.kulturglossar.de/html/e-begriffe.html#ethnologie|Ethnologie]], Völkerkunde und Soziologie erklären? Völkerkunde darf man nicht mehr sagen – stimmt das? Na, woll’n mal seh’n: Wer kann denn auf Anhieb den Unterschied zwischen [[https://www.kulturglossar.de/html/e-begriffe.html#ethnologie|Ethnologie]], Völkerkunde und Soziologie erklären? Völkerkunde darf man nicht mehr sagen – stimmt das? Na, woll’n mal seh’n:
  
-17 deutsche Unis bieten das Fach Völkerkunde an, etwa 10.000 Studenten belegen es. Die interessieren sich aber kaum für Friesen, Rheinländer, Bayern, selbst Basken, Schotten und Kroaten werden ignoriert. Dafür gibt’s die Volkskunde. Die Völker müssen schon recht weit weg sein: »Obwohl im Sinne unserer Wissenschaft unter Völkern alle Völker und auch kleinere nationale Einheiten wie Stämme verstanden werden, befaßt sich die völkerkundliche Forschung doch herkömmlicherweise aus praktischen und anderen Gründen bevorzugt mit den weniger komplizierten und daher der Untersuchung zugänglicheren Naturvölkern … mit geringen Mitteln zur Naturbeherrschung…« (Fischer-Lexikon Völkerkunde 1959).+17 deutsche Unis bieten das Fach Völkerkunde an, etwa 10.000 Studenten belegen es. Die interessieren sich aber kaum für Friesen, Rheinländer, Bayern, selbst Basken, Schotten und Kroaten werden ignoriert. Dafür gibt’s die Volkskunde, ein Begriff, der bereits 1782 ((''Kutter, Uli''\\ //Volks-KundeEin Beleg von 1782.//\\ Zeitschrift für Volkskunde, Stuttgart, 74 (1978) 161-166)), gleich mehrfach in der Zeitschrift //Der Reisende. Ein Wochenblatt zur Ausbreitung gemeinnütziger Kenntnisse//, erscheint [[https://books.google.de/books?id=sQVHAAAAcAAJ&vq=volkskunde&hl=de&pg=PP5#v=onepage&q=volks-kunde&f=false|Online]]. 
 +  * ''Stephan Bachter''\\ //Aufklärungshistorie und „volkskundliche" Interessen. Ein Versuch zur Ordnung der Fachgeschichte im 18. Jahrhundert//\\ Augsburger Volkskundliche Nachrichten: 7.1 (1998) 41--62 
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 +Die Völker müssen schon recht weit weg sein: »Obwohl im Sinne unserer Wissenschaft unter Völkern alle Völker und auch kleinere nationale Einheiten wie Stämme verstanden werden, befaßt sich die völkerkundliche Forschung doch herkömmlicherweise aus praktischen und anderen Gründen bevorzugt mit den weniger komplizierten und daher der Untersuchung zugänglicheren Naturvölkern … mit geringen Mitteln zur Naturbeherrschung…« (Fischer-Lexikon Völkerkunde 1959).
   * ''Heckmann, F.''\\ //Ethnische Minderheiten, Volk und Nation//\\ Soziologie interethnischer Beziehungen\\ Stuttgart: Enke 1992   * ''Heckmann, F.''\\ //Ethnische Minderheiten, Volk und Nation//\\ Soziologie interethnischer Beziehungen\\ Stuttgart: Enke 1992
   * ''Nikolaus Bernau''\\ //Als die Völkerkunde zu schimmern begann//\\ FAZ 12.07.2024    * ''Nikolaus Bernau''\\ //Als die Völkerkunde zu schimmern begann//\\ FAZ 12.07.2024 
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 Für den Großen Meyer ist die Völkerkunde noch 1979 eine »Wissenschaft der schriftlosen Völker«. Was wird denn daraus, wenn die »Naturvölker« alle Transistorradios haben und schreiben können? Oder sie können nicht schreiben und leben in Berliner, Dortmunder oder Frankfurter [[wiki:auslaender|Ausländerghettos]]? Sind sie dann für die Völkerkunde interessant? Ein paar Unis betreiben bereits eine europäische Ethnologie und sind dabei, sie mit der Soziologie zu verschmelzen, die ja schließlich »die Formen des menschlichen Zusammenlebens und die dadurch hervorgerufenen Verhaltensweisen« untersucht. Auch das Völkerkundemuseum Basel suchte einen Ausweg und nennt sich nun Museum der Kulturen. Was ist damit gewonnen? ''Michel Leiris'' fand eine schöne Metapher für das Problem des Ethnologen:// »Was man zu fassen bekommt, ist immer der Schatten und nicht die Beute.«// Für den Großen Meyer ist die Völkerkunde noch 1979 eine »Wissenschaft der schriftlosen Völker«. Was wird denn daraus, wenn die »Naturvölker« alle Transistorradios haben und schreiben können? Oder sie können nicht schreiben und leben in Berliner, Dortmunder oder Frankfurter [[wiki:auslaender|Ausländerghettos]]? Sind sie dann für die Völkerkunde interessant? Ein paar Unis betreiben bereits eine europäische Ethnologie und sind dabei, sie mit der Soziologie zu verschmelzen, die ja schließlich »die Formen des menschlichen Zusammenlebens und die dadurch hervorgerufenen Verhaltensweisen« untersucht. Auch das Völkerkundemuseum Basel suchte einen Ausweg und nennt sich nun Museum der Kulturen. Was ist damit gewonnen? ''Michel Leiris'' fand eine schöne Metapher für das Problem des Ethnologen:// »Was man zu fassen bekommt, ist immer der Schatten und nicht die Beute.«//
  
-So oder so: Das "Reisen" bleibt weiterhin ausgeblendet und wird nicht Teil der Selbstbefragung, wobei doch ohne Reisen die Anderen nicht zu uns und die Ethnologen nich zu den Fremden kommen können.\\ Ebenso seltsam mutet die quantitative Explosion der [[wiki:liste_ausstellungen|Ausstellungskultur]] in den letzten Jahrzehnten an: die Selbstzweifel stehen dabei nicht im Gleichgewicht mit dem Bedürfnis zu zeigen, was man hat.+Im Zeitalter der Entdeckungsreisen traf man zwar auf andere Völker, doch widmeten Entdecker und Erforscher ihnen erst spät eine besondere Aufmerksamkeit. Mal vom Rauben abgesehen, widmeten sich die Expeditionen eher Küstenlinien, Segelrouten, Pflanzen, Vögeln, Fischen, Hauptsache: fremd und neu. Und obwohl die fremde Sprache das Erste war, was anzueignen sinnvoll war, wurden Sprachaufzeichnungen und -untersuchungen lange vernachlässigt. Weitere Unterscheidungsmerkmale waren Religion, Kleidung und Aussehen (Hautfarbe, Körperformen), Nation. Für Naturforscher (engl. naturalists) erhielten 'Naturvölker' erst 1774 durch ''Johann Gottfried Herder'' ((''Johann Gottfried Herder''\\ //Älteste Urkunde des Menschengeschlechts.//\\ 2 Bde. Tübingen 1774, 1776)) ihre eigene Kategorie. 
 +  * ''Stagl, Justin''\\ //Rationalism and Irrationalism in Early German Ethnology. The Controversy between Schlözer and Herder, 1772/73.//\\ Anthropos 93.4-6 (1998): 521-536. [[https://www.jstor.org/stable/40464847|Online]]\\ Diskutiert werden die Begriffe 'ethnography', 'ethnology', 'Volkskunde', 'Völkerkunde', 'Naturvölker'
 +  * ''Han F. Vermeulen''\\ //Linguistik und Völkerkunde im 18. Jahrhundert. Leibniz’ historische Linguistik als Voraussetzung für die Entstehung der Völkerkunde.//\\ S. 57–73 in: Wieland Hintzsche, Joachim Otto Habeck (Hg.): Die Erforschung Sibiriens im 18. Jahrhundert. Beiträge der Deutsch-Russischen Begegnungen in den Franckeschen Stiftungen, Halle/Saale: Franckeschen Stiftungen 
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 +So oder so: Das "Reisen" bleibt weiterhin ausgeblendet und wird nicht Teil der Selbstbefragung, wobei doch ohne Reisen die Anderen nicht zu uns und die Ethnologen nicht zu den Fremden kommen können.\\ Ebenso seltsam mutet die quantitative Explosion der [[wiki:liste_ausstellungen|Ausstellungskultur]] in den letzten Jahrzehnten an: die Selbstzweifel stehen dabei nicht im Gleichgewicht mit dem Bedürfnis zu zeigen, was man hat.
  
 → [[wiki:wissen|Wissen]]\\  → [[wiki:wissen|Wissen]]\\ 
 → [[wiki:erforscher|Erforscher und Entdecker]]\\  → [[wiki:erforscher|Erforscher und Entdecker]]\\ 
-→ [[wiki:liste_ausstellungen#Wissen: Entdecken & Erforschen |Ausstellungen zu Wissen: Entdecken & Erforschen]] +→ [[wiki:liste_ausstellungen#Wissen: Entdecken & Erforschen |Ausstellungen zu Wissen: Entdecken & Erforschen]]\\ 
 → [[wiki:Literaturliste Völkerkunde|Literaturliste Völkerkunde]] → [[wiki:Literaturliste Völkerkunde|Literaturliste Völkerkunde]]
  
wiki/voelkerkunde.1751379572.txt.gz · Zuletzt geändert: von Norbert Lüdtke

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