Peregrinatio academica

= Peregrinatio studiosorum, Gelehrtenreisen, Bildungsreise, Scholaren

 »Peregrinatione et studiis ea bona comparantur 
 Quibus qui olim expediti dispares censebantur«
 Neapel 1628, S. 115 Nr. 431 in: Keil: deutsche Stammbücher

Adam beginnt seinen Beitrag mit einem Exkurs zur Peregrinatio academica und verweist besonders auf den Discursus Historico-Politicus. De Peregrinatione Studiosorum von ''Matthias Bernegger'' 1619, welchen er wie folgt zitiert:
»Nach Bernegger's Ansicht dürften nur solche Jünglinge selbständig reisen, welchen die nötige Aptitudo eigen wäre. In's Wirtschaftlich Moderne übersetzt wird also ein Befähigungsnachweis verlangt. Dieser Nachweis erfordert

  1. ein blühendes Lebensalter
  2. einen natürlichen Scharfsinn öffentliche Angelegenheiten zu erfassen prudentiam politicam
  3. einige geschichtliche und sprachliche Kenntnisse
  4. eine allgemeine Kenntnis der zeichnenden Künste artis pictoriae umbratilem scientiam«

Tholuck nennt als beispielhaft für Reiseanleitungen (s. die Zeitleisten unten) für die Peregrinatio academica:

Danach beschreibt er die Merkmale der Peregrinatio academica und unterfüttert seine Aussagen mit zahllosen Belegen in 350 Fußnoten (hier gekürzt): »So gänzlich ist es in Vergessenheit gekommen, daß im 17ten Jahrhundert die peregrinatio academica als nothwendiger Bestandtheil akademischer Bildung angesehen wurde, und diejenigen Universitätsgelehrten und höher gestellten Beamteten, denen sie abging, nur als Ausnahme angesehen werden können.

Und wie alles, so wird auch dies Reisegeschäft nicht perfunctorie, sondern solide betrieben — selten weniger als Ein Jahr, 5-10 Jahre häufig.

Vor dem 17ten Jahrhundert vertritt der Besuch vieler und entfernter Universitäten die akademische Reise. Nicht selten wurden auch damals noch die alten Pfade nach Paris und über die Alpen eingeschlagen, vornehmlich von Medicinern, deren Viele bis an das Ende des 17. Jahrhunderts in Padua promoviren. Auf Eine Universität beschränken selbst einfache Geistliche sich nur ausnahmsweise, gar nicht selten sind die Fälle, wo 4, ja 6 und 7 Universitäten besucht werden.

Berühmte Hebraisten Deutschlands wandern nach Basel, um bei den beiden Buxtorfs die Sprache an der Quelle zu studiren

Wie häufig lutherische Magister, auch Schweden und Dänen, auf niederländischen Akademien lehrend auftreten, wurde früher bemerkt

Seit dem 17ten Jahrhundert treten die eigentlich gelehrten Reisen ein. In der Regel folgen sie auf die Magisterpromotion, zuweilen auch unmittelbar nach der Berufung zu einer geistlichen oder akademischen Stelle

Unter den Reisezielen ist das bis an den Anfang des 18ten Jahrhunderts von jedem Cavalier wie von jedem Theologen zunächst erstrebte die Niederlande, jenes compendium orbis eruditi, wie Calixt es nennt. Dieses an Umfang so beschränkte Land, dessen gelehrter Ruhm während des 17ten Jahrhunderts seinem Waffenruhm und seinem industriellen Aufschwunge das Gleichgewicht hält, ist schon in den ersten Jahrzehnden, wo es noch lange nicht die Höhe seines Glanzes erreicht hat, in jeder Hinsicht der Gegenstand der Bewunderung der Reisenden.

Nächst Holland wurde von den Theologen England besucht, wiewohl auch schon damals die Klagen über die Koſtbarkeit des dortigen Reisens laut werden. Die Zahl auch dieser englischen Reisenden ist sehr groß ein Magister trifft einstmals auf seinem Schiffe mit vier andern deutschen Magistern zusammen.

Für die Theologen wird Paris namentlich erst gegen Ende des Jahrhunderts ein Strebeziel:

Auch Genf wird schon früh besucht, um die Sprache zu lernen, obwohl merkwürdiger Weise vermöge des damals noch vorherrschenden Patois dieser Intention nicht Genüge geschieht

Italien wird in der ersten Hälfte des Jahrhunderts von Theologen nur sparsam besucht. Einige fürchten die Sitten, wie Hutter, welcher sich 1591 den Rath von Pappus erbittet, ob er als Hofmeister nach Italien gehen solle; er würde abgeschreckt durch die falsche Religion, die levitas und Treulosigkeiten der Sitten.

Erstaunt wird man nun fragen: aber woher die Mittel zu solchen Unternehmungen, wie sie kaum den Begütertsten in der Gegenwart möglich sind, und noch dazu in einer Zeit, wo die Transportmittel so ohne Vergleich unvollkommen waren? In den ersten Zeiten des Jahrhunderts werden nämlich noch die Reisen mit Kaufleuten gemacht.

Dazu nehme man noch, daß sich diese Peregrinationslust nicht einmal durch den dreißigjährigen Krieg beschwichtigen ließ. Mitten durch Todesgefahren und Wegelagerer hindurch werden ausländische Univerſitäten bezogen und gelehrte Reisen gemacht.

Eine große Zahl geht als Reisebegleiter

Etliche erhalten sich und namentlich in Holland durch Privatvorlesungen, Correkturen und kleine literarische Arbeiten

Fragt man nun nach dem ersichtlichen theologischen Gewinn dieses uns leider ganz abhanden gekommenen theologischen Bildungsmittels, wird man es nicht gerade in derjenigen Hinsicht, welche die Kirchenhistoriker bei Calixt und Spener so sehr hervorzuheben pflegen, den an den Zeitgenossen porliegenden gegentheiligen Erfahrungen nach, sehr gering anschlagen müssen? Es bewährt sich eben auch hier der Spruch, daß wer da hat, dem nur gegeben wird.«

Abschließend beschreibt der Autor die besondere Beliebtheit von Bäderreisen bei den Akademikern.

Verweise

Zeitleiste der Reiseanleitungen im 17. Jahrhundert, insbesondere