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wiki:geographie_und_reisen

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wiki:geographie_und_reisen [2026/01/04 05:03] – [Reisen und Geographie] Norbert Lüdtkewiki:geographie_und_reisen [2026/04/10 04:52] (aktuell) – [Reisen als geographische Methode] Norbert Lüdtke
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 Reisen als geographische Methode bleibt weitgehend unbeachtet. Dieser Lücke widmet sich ''Bruno Lecoquierre'' und zitiert ''Roger Brunet'', der in „Les mots de la geography“ Reisen als „den natürlichen Sport der Geographen“ bezeichnete, als eine geografische Aktivität im geografischen [[wiki:liste_raumvorstellungen|Raum]], zugespitzt als existentiellen Augenblick der Konfrontation mit dem Raum. Neutral bezeichnet er Reisen als einen Vektor der Mobilität und eine Modalität der Begegnung mit dem Anderssein. Dem Wissenschaftler (etwa Geographen oder Ethnologen) wird sie zur //"le voyage comme modalité méthodologique"// Reisen als geographische Methode bleibt weitgehend unbeachtet. Dieser Lücke widmet sich ''Bruno Lecoquierre'' und zitiert ''Roger Brunet'', der in „Les mots de la geography“ Reisen als „den natürlichen Sport der Geographen“ bezeichnete, als eine geografische Aktivität im geografischen [[wiki:liste_raumvorstellungen|Raum]], zugespitzt als existentiellen Augenblick der Konfrontation mit dem Raum. Neutral bezeichnet er Reisen als einen Vektor der Mobilität und eine Modalität der Begegnung mit dem Anderssein. Dem Wissenschaftler (etwa Geographen oder Ethnologen) wird sie zur //"le voyage comme modalité méthodologique"//
  
-Für ''Jean-Jacques Rousseau'' gab es 1755 (//Discours sur l'Origine ...//) nur vier Kategorien [[wiki:reisende|Reisender]], die lange Reisen unternehmen: Seeleute, Kaufleute, Soldaten und Missionare. Ein geographisches Paradigma stellt daher die Expedition von ''Alexander  von Humboldt'' und ''Aimé Bonpland'' nach Lateinamerika (1799–1804) dar, die sich nicht mit der Erkundung von Küstenlinien begnügte, sondern systematisch das Innere eines Kontinents untersuchte (siehe das Zitat von Humboldt, 1848, bei Lecoquierre). Besonders charakteristisch erscheint dem Autor die //l’exploration// als Erkundung, für deren Etymologie er auf ''Yves Lacoste'' (2003) verweist, der sie ableitet vom lateinischen //ex prolator//  'se porter en avant vers l’extérieur'.+→ [[Expeditionen|Expeditionen]]
  
 Erst die [[wiki:fortbewegung|Fort-Bewegung]] durch einen unbekannten und damit risikobehafteten [[wiki:zwischenraum|Zwischenraum]] macht das Reisen wesentlich aus (siehe das Zitat von ''Claudot-Hawad'', 2002) und unterscheidet es vom [[wiki:nomaden|Nomaden]]leben. Weit und lange Reisende erscheinen ihm als Hüter einer sehr alten Tradition der Bewegung, deren Werte auf Isolation, [[wiki:risiko|Risiko]], Unbehagen, zeitlicher Unsicherheit beruhen. ''Levi-Strauss'' zitierend bietet er ein erweitertes Verständnis von Reisen, dass nicht nur den [[wiki:liste_raumvorstellungen|Raum]] (mit drei Dimensionen) betrachtet, sondern die [[wiki:zeit_musse|Zeit]] und die kulturelle Verschiebung als vierte und fünfte Dimension heranzieht, ein [[wiki:unterwegs-sein|Unterwegs-Sein]]. Schließlich betont er die Rückkehr als notwendige Phase des Unterwegs-Seins und als Unterschied zum [[wiki:heimatlos|Migranten]]. Dieses Verständnis deckt sich weitgehend mit dem Verständnis des Reisens als [[soziotechnisches_handlungssystem|soziotechnischem Handlungssystem]]. Erst die [[wiki:fortbewegung|Fort-Bewegung]] durch einen unbekannten und damit risikobehafteten [[wiki:zwischenraum|Zwischenraum]] macht das Reisen wesentlich aus (siehe das Zitat von ''Claudot-Hawad'', 2002) und unterscheidet es vom [[wiki:nomaden|Nomaden]]leben. Weit und lange Reisende erscheinen ihm als Hüter einer sehr alten Tradition der Bewegung, deren Werte auf Isolation, [[wiki:risiko|Risiko]], Unbehagen, zeitlicher Unsicherheit beruhen. ''Levi-Strauss'' zitierend bietet er ein erweitertes Verständnis von Reisen, dass nicht nur den [[wiki:liste_raumvorstellungen|Raum]] (mit drei Dimensionen) betrachtet, sondern die [[wiki:zeit_musse|Zeit]] und die kulturelle Verschiebung als vierte und fünfte Dimension heranzieht, ein [[wiki:unterwegs-sein|Unterwegs-Sein]]. Schließlich betont er die Rückkehr als notwendige Phase des Unterwegs-Seins und als Unterschied zum [[wiki:heimatlos|Migranten]]. Dieses Verständnis deckt sich weitgehend mit dem Verständnis des Reisens als [[soziotechnisches_handlungssystem|soziotechnischem Handlungssystem]].
  
-Verschiedene [[wiki:liste_reisende_im_sprachvergleich|Reisefiguren]] haben Unterschiedliche Vorstellungen von der Bewegung durch den Raum: der [[wiki:passagier|Passagier]] definiert ein Ziel und sucht den effektivsten Weg dorthin, der Reisende geht den [[wiki:weg|Weg]], den er findet (Zitat ''Marc Augé'' 1992).+Verschiedene [[wiki:liste_reisende_im_sprachvergleich|Reisefiguren]] haben unterschiedliche Vorstellungen von der Bewegung durch den Raum: der [[wiki:passagier|Passagier]] definiert ein Ziel und sucht den effektivsten Weg dorthin, der Reisende geht den [[wiki:weg|Weg]], den er findet (Zitat ''Marc Augé'' 1992).
  
 Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal liegt in der Art und Weise, wie sich beim Ankommen das Gleichgewicht zwischen Akkomodation und Assimilation einstellt. Die physische Begegnung zwischen Reisenden und Bewohnern löst einen Lernprozess aus, führt also zur Veränderung auch des Reisenden (siehe MIT : "Mobilités, itinéraires, territoires", Université Paris 2002). Auch dies ungterscheidet sich von der Taylorisierung touristischer Riten und der Disneylandisierung beim Ankommen des Touristen.\\  Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal liegt in der Art und Weise, wie sich beim Ankommen das Gleichgewicht zwischen Akkomodation und Assimilation einstellt. Die physische Begegnung zwischen Reisenden und Bewohnern löst einen Lernprozess aus, führt also zur Veränderung auch des Reisenden (siehe MIT : "Mobilités, itinéraires, territoires", Université Paris 2002). Auch dies ungterscheidet sich von der Taylorisierung touristischer Riten und der Disneylandisierung beim Ankommen des Touristen.\\ 
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 +  * ''Brunet, Roger''\\ //Les mots de la géographie : Tourisme et loisirs.//\\ L'Espace géographique, 26.3 (1997) 204. [[https://doi.org/10.3406/spgeo.1997.1073|DOI]] [[https://www.persee.fr/doc/spgeo_0046-2497_1997_num_26_3_1073|Online]] 
 +  * ''Bailly, Antoine'', ''Renato Scariati''\\ //Voyage en géographie.//\\ Bulletin de la Société géographique de Liège 46 (2005) 5-9.
 +  * ''Bruno Lecoquierre''\\ //L’usage du voyage en géographie//\\ Géographie et cultures 75 (2010) [[http://journals.openedition.org/gc/1638|Online]] [[https://doi.org/10.4000/gc.1638|DOI]]
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