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wiki:1762_ansquer_jordan_varietes

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wiki:1762_ansquer_jordan_varietes [2026/05/26 03:53] – [Von dem Nutzen des Reisens] Norbert Lüdtkewiki:1762_ansquer_jordan_varietes [2026/05/26 04:31] (aktuell) Norbert Lüdtke
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 Das französische Original //Variétés philosophiques et littéraires// erschien 1762 "A LONDRES Et se trouve A PARIS " anonym, wird jedoch dem Abbé Théophile-Ignace Ansquer de Londres, SJ, zugeschrieben, [[https://books.google.de/books?id=cEA9to_sbCUC&hl=de&pg=PA50#v=snippet&q=voyages&f=false|Online]]\\ Der Übersetzer nennt sich ''Monsi. Raodin'', ein Pseudonym von ''Jordan Simon'' als Anagramm von 'Jordan'. Das französische Original //Variétés philosophiques et littéraires// erschien 1762 "A LONDRES Et se trouve A PARIS " anonym, wird jedoch dem Abbé Théophile-Ignace Ansquer de Londres, SJ, zugeschrieben, [[https://books.google.de/books?id=cEA9to_sbCUC&hl=de&pg=PA50#v=snippet&q=voyages&f=false|Online]]\\ Der Übersetzer nennt sich ''Monsi. Raodin'', ein Pseudonym von ''Jordan Simon'' als Anagramm von 'Jordan'.
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 ===== Neuntes Hauptstück ===== ===== Neuntes Hauptstück =====
  
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-einmal den Pensel des Raphaels von jenem des Perugino unterscheiden können ((Man kann der Jugend diese Wahrheit nicht genug einprägen. Wie viele Jünglinge treten die Reisen in die große Welt an, ohne daß sie auch die geringste Erkenntniß von den gemeinsten Dingen haben. Daher kommen die dummesten Reden, die ihnen zu Zeiten entfallen. Dergleichen war die Antwort eines Deutschen, den der Pabst fragte, ob er alle Seltenheiten der Stadt Rom gesehen: Ich habe alles gesehen, sagte er, und es ist nichts mehr übrig, als daß ich noch vor meiner Abreise ein Conclave (eines Pabstes Wahl) sehe + Sind es aber die Deutschen alleine, die als Gånse über Meer fliegen, und als Gacker zuruckkehren?)+einmal den Pensel des Raphaels von jenem des Perugino unterscheiden können ((Man kann der Jugend diese Wahrheit nicht genug einprägen. Wie viele Jünglinge treten die Reisen in die große Welt an, ohne daß sie auch die geringste Erkenntniß von den gemeinsten Dingen haben. Daher kommen die dummesten Reden, die ihnen zu Zeiten entfallen. Dergleichen war die Antwort eines Deutschen, den der Pabst fragte, ob er alle Seltenheiten der Stadt Rom gesehen: Ich habe alles gesehen, sagte er, und es ist nichts mehr übrig, als daß ich noch vor meiner Abreise ein Conclave (eines Pabstes Wahl) sehe + Sind es aber die Deutschen alleine, die als Gånse über Meer fliegen, und als Gacker zuruckkehren?))
  
 Das hieße sehr wenig auf seinen Reisen gewonnen zu haben, wenn man seine Wißbegierde dahin einges schränket hätte, nur die Paläste, die Tempel, die Triumphbogen, die Statuen oder Bildsäulen, die Gemälde, die Naturalienkammern, und die Cabineten von verschiedenen Sammlungen der Natur und Kunst, oder alte Drümmer und Ruinen in den Augenschein genommen zu haben. Man muß hauptsächlich selbe dahin anstrengen, die Menschen, die Gesetze, die Sitten, die Neigungen, Eigenschaften und  Gebräuche der Völker, bey denen man sich aufhält, bekannt zu machen. Auch ihre Untugenden, Laster und Misbräuche müssen Gegenstände eines aufmerksamen Reisenden seyn. Man muß ein Ausspäher seyn, welche die Grundsätze eines Staates, welche seine Stärke und Quellen, welche die Zweige seiner Handelschaft seyn. Nichts, was belehren und aufklären kann, muß dem Auge entwischen. Aber, man muß sich hüten, über die bey verschiedenen Völkern festgesetzten Das hieße sehr wenig auf seinen Reisen gewonnen zu haben, wenn man seine Wißbegierde dahin einges schränket hätte, nur die Paläste, die Tempel, die Triumphbogen, die Statuen oder Bildsäulen, die Gemälde, die Naturalienkammern, und die Cabineten von verschiedenen Sammlungen der Natur und Kunst, oder alte Drümmer und Ruinen in den Augenschein genommen zu haben. Man muß hauptsächlich selbe dahin anstrengen, die Menschen, die Gesetze, die Sitten, die Neigungen, Eigenschaften und  Gebräuche der Völker, bey denen man sich aufhält, bekannt zu machen. Auch ihre Untugenden, Laster und Misbräuche müssen Gegenstände eines aufmerksamen Reisenden seyn. Man muß ein Ausspäher seyn, welche die Grundsätze eines Staates, welche seine Stärke und Quellen, welche die Zweige seiner Handelschaft seyn. Nichts, was belehren und aufklären kann, muß dem Auge entwischen. Aber, man muß sich hüten, über die bey verschiedenen Völkern festgesetzten
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-Gebräuche und Gewohnheiten eine Verachtung oder höhnisches Lächeln blicken zu lassen. Nichts ist gehässiger, und nichts zeigt einen schwachen und kurzen Verstand mehr an, als solches menschenwidrige Betragen ((Man muß sich auch in obacht nehmen, von dem Betragen des niedern Pöbels auf den Character einer ganzen Nation zu schließen. Wer zu London nichts als den Pöbel gesehen, schließt unrichtig, daß der Engelsmann grob, bäuerisch, und ungehobelt sey. Das hieße von der Hefen des Fasses die Güte des Malvesiers bestimmen wollen.)).+Gebräuche und Gewohnheiten eine Verachtung oder höhnisches Lächeln blicken zu lassen. Nichts ist gehässiger, und nichts zeigt einen schwachen und kurzen Verstand mehr an, als solches menschenwidrige Betragen ((Man muß sich auch in obacht nehmen, von dem Betragen des niedern Pöbels auf den Character einer ganzen Nation zu schließen. Wer zu London nichts als den Pöbel gesehen, schließt unrichtig, daß der Engelsmann grob, bäuerisch, und ungehobelt sey. Das hieße von der Hefen des Fasses die Güte des Malvesiers bestimmen wollen.))
  
 Würden unsre jungen Leute vom Stande auf solche Art in Zeit von vier oder fünf Jahren Europa durchreisen; der Staat wurde eine Pflanzschule großer Männer von allen Gattungen an ihnen haben. Die Ergötzungen, die einen großen leeren Raum ihres müssigen Lebens ausfüllen müssen, würden den ernsthaften, und für das Vaterland nützlichen Geschäfften gar bald Platz machen. Man vergebe mir den Aussdruck: Sie würden den guten Dienst, den man von Seiten ihrer zu erwarten berechtiget ist, auf diese oder jene Art dreyfach ersehen. Sie würden in den ersten Tagen eines reifen Alters und einer gesetzten Vernunft mit ihrer natürlichen Lebhaftigkeit eine Erfahrung verbinden, die man gemeiniglich nicht eher, als bey der Abendröthe eines greisen Alters erreichet. Würden unsre jungen Leute vom Stande auf solche Art in Zeit von vier oder fünf Jahren Europa durchreisen; der Staat wurde eine Pflanzschule großer Männer von allen Gattungen an ihnen haben. Die Ergötzungen, die einen großen leeren Raum ihres müssigen Lebens ausfüllen müssen, würden den ernsthaften, und für das Vaterland nützlichen Geschäfften gar bald Platz machen. Man vergebe mir den Aussdruck: Sie würden den guten Dienst, den man von Seiten ihrer zu erwarten berechtiget ist, auf diese oder jene Art dreyfach ersehen. Sie würden in den ersten Tagen eines reifen Alters und einer gesetzten Vernunft mit ihrer natürlichen Lebhaftigkeit eine Erfahrung verbinden, die man gemeiniglich nicht eher, als bey der Abendröthe eines greisen Alters erreichet.
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-----+sie über ihres Gleichen ausüben, dir in die Augen fallen wird. 
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 +Besuche auch Rußland, welches der größte der Czaren, und die majestätische Heldinn, der er das Leben gegeben, der großen Welt haben kenntbar gemacht: Wenn gleich du wahrnehmen wirst, daß dieses ungeheuere Reich sein altes barbarisches Wesen noch nicht ganz ausgezogen habe. 
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 +Suche auch, dir einen Begriff von den nordischen Völkern zu verschaffen. Stockholm und Kopenhagen haben Gegenstände, die dich einige Monathe zu ihrer Betrachtung beschäfftigen können. Aber die Moraste, so der unverdrossene Holländer austrocknet, forderet eine noch strengere Aufmerksamkeit von dir. Welche Dörfer und Städte erheben sich da aus dem Schooße der Gewässer? Welcher Ueberfluß herrscht in allem? Welche Reichthumer länden von den entferntesten Weltgegenden an den Ufern der Maas ((Rotterdam liegt an der Maase.)) und der Amstel an ((Amsterdam an der Amstel))? 
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 +Dieses Volk sitzt also in den Reichthumern, aber nicht wegen seinen kostbaren Handelswaaren, die es aus dem stolzen Asien führet, und die eigentlich seine wahre Schätze ausmachen; sondern es sammelt selbe in seiner klugen Haushaltungskunst. ((Der Verfasser redet hier sehr widersprechend. Würde Holland so arm und gesparsam, als Ungarn leben, und keine Waaren zum Verkaufe der übrigen blinden Völker aus Indien oder Grönland beyführen, sie würden kaum Nadmihali und Dollmanne zur Kleidung übrig haben. 
 + 
 +Wer macht Holland reich? Der Staat und die Religion: Nicht ihre eigene, nein, fremde. Welche Bezauberung hat die Mächte von Europa geblendet, Staatsgeschäffte in dem theuern Haag abzuthun, die vieleicht in jedem andern, wenn schon, nicht so ergötzend, doch gemächlich gelegenen Dorfe jedes Reiches abgehandelt werden könnten? Erstaunliches Vorurtheil! Alle Nationen geben dem Holland zu verdienen, und der ungesittete Holländer giebt nicht einer einen Stüber zum besten. Nein, nicht ihre Waaren, nicht ihre Gesparsamkeit, sondern der einfältige Europder, der ihre Waaren theuer kauft, und ihren Geiz und Grobheit für schone Sitten hält, macht sie reich. Wie! In welchem Evangelium, apostolischen Sendschreiben, oder in welcher kanonischen Verordnung der Kirche steht es geschrieben, daß die Katholischen in Europa Stockfische und Häringe essen müssen? Nehme man diesen einzigen Debit von Seite der Katholischen den Holländern ab, die übrigen Nationen oder Religionsverwandten werden schon die Ufer finden, wo man die Waaren der Holländer aus erster Hand einkauft; und ich versichere, daß in wenigen Jahren die Holländer den armen Fischern von Jütland gleichen werden.)) Es nähret 
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 +Ein Dolman ist eine eng geschnittene, mit Schnüren besetzte Husarenjacke bzw. ein ungarischer Rock.\\ Nadmihali ? 
 + 
 +=== 75 === 
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 +unsren Pracht und Uebermuth; und dieser ist seiner sparsamen und gemeinen Lebensart unbekannt. Es gehört Klugheit darzu, die Thorheit anderer zu befördern, und doch von selber nicht angesteckt zu werden. 
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 +Nun ist dir nichts mehr übrig, als daß du die albonesischen Bürger sehest. Segle also bey dem ersten guten Winde gegen die Gegenden ab. Der Engelsmann wird allezeit dein Nebenbuhler bleiben: Aber mit welchem Vortheile wirst du vor seinen Augen erscheinen? 
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 +=== 76 === 
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 +Er wird endlich gezwungen werden, die schönsten naturlichen Gaben, und tausend seltene Eigenschaften in einem Franzmanne, die er in dem Umgange mit den klugsten und aufgeklärtesten Geistern von ganz Europa erworben hat, zu bewundern. ((Ich muß es gestehen, der Verfasser räumt den Engelländern, oder vielmehr seinen Landesleuten Vorzüge ein, die einen Reisenden irre machen können. Ich habe einen großen Herrn gekennet, der außer seinem Geburts- und Charaktersterne wenig Großes an sich hatte, und der Engelsmann hatte ihn hochgeschätzet. Deutschland fand das nicht an ihm, was Engelland schätzte. Den Franzosen mag es in Engelland besser glücken, wenn es lauter Tallards dahin schickt; aber sind alle Franzosen Tallards? Indessen, welche Verdemüthigung eines Franzosen für die Flaggen der Engelländer, wenn er sagt, daß der Engelsmann tausend schöne Eigenschaften an ihm bewundern, und zwar gezwungen bewundern werde, die er in dem Umgange mit den klügesten und feinsten Geistern von Europa an sich gezogen. Viel gesprochen; zu viel für einen Franzosen. Man lernet wenig von Völkern, die man unter sich glaubt': Und man kann noch weniger von Menschen hoffen, die sich über alle, wie die Aepfel des Tantalus, zu schwimmen glauben. Zu viel für einen Franzosen in Ansehen der übrigen europäischen, und zu wenig in Rücksicht desselben auf die brittischen Völker.)) 
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 +Du wirst zu kurz kommen, wenn du deine Neugier in der Rennbahne der Pferde von Neumarket ((Das berühmte Pferderennen, so jährlich mit großem Prachte angestellet wird, und viele Tage dauert. Dieses ist eine der Ergötzungen, der die Fremden mit so vielem Beyfalle in Engelland beywohnen)) einschränkest; 
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 +=== 77 === 
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 +und wenn du deine Augen nur auf die Schönheiten heftest, welche dir der Towr von Londen ((Dieses berühmte Towr dienet zu einem Gefängnisse der Lords, zu einem Zeughause der Nation, und verwahret die Kleinodien und Schätze der Krone)), die Tempel von St. Paul und Westmünster, der Park von St. James, die Börse, und die Denksäulen vorstellen ((Diese Denksäule ist von einer erstaunlichen Höhe, welche zum Gedächtnisse der erschrecklichen Feuersbrunst, die unter der Regierung Karl II schier ganz London in Asche gelegt, errichtet worden.)). Diese Wunderwerke dörfen einen Philosophen nicht lange beschäfftigen: die Erkenntniß des Menschen muß ihn in Betrachtungen vertiefen. Der Engellander wird durchaus aus deinem Auge verschwinden, wenn du dich nicht darauf legst, ihn kennen zu lernen. Mein, wie kann man in der That so verschiedene Eigenschaften, die wechselweis sich auszuschließen scheinen, in ebenderselben Person begreifen und zusammen räumen? ((Diese die man Philosophie und Selbstmord nennt, kann gewiß kein Vernünftiger, er sey ein Franzos oder Deutscher, ein Italianer oder Spanier, ein Lief- oder Lappeländer, ein Ruß oder Engelländer selbst nach den ächten Gründen der Menschheit zusammen reimen. Wer nicht leben, und zwar nicht vernünftig leben will, der höre mit Recht auf, ein Mensch zu seyn.)) Wie kann man ein Chaos, in dem man aufrührische Laster, und strengeste Tugenden untereinander verwirret sieht, auseinander scheiden, wenn man sich nicht einer hellleuchtenden 
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 +und durchdringenden Fackel des Verstandes bedienet? Die Bemühungen hierben werden groß seyn; aber du wirst schadlos gehalten werden, denn du wirst Menschen haben kennen lernen. 
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 +Nach einer so langen Reise ((Ich sehe zum Voraus, daß diese Reise fünf Jahre gedauert hat; daß man in sechs Monathen die vornehmften Städte Frankreichs durchreiset habe (gewiß ein längerer Aufenthalt könnte manchen Deutschen nachtheilig seyn) daß man sich sechs Monathe in Madrit und Lissabon, ein Jahr in Italien, zwey Jahre in Deutschland (bedörfen vieleicht die Deutschen weniger?) und in den übrigen Reichen von Norden, und endlich ein Jahr in Holl- und Engelland aufgehalten habe)) unter fremden Völkern kehre mit so reichen Beuten von fremden Ländern zuruck: komm zurück in dein Vaterland, und von der Dankbarkeit durchdrungen gieb selbem die Ehre der schönen Gaben, die selbes so nützlich an dir anzubauen gewußt hat. 
  
 === (i) Fußnote Seiten 64-66 === === (i) Fußnote Seiten 64-66 ===
  
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 Wird man uns erlauben, hier einen Entwurf vorzutragen, der uns von einer wichtigen Nutzbarkeit  ierinns falls zu seyn scheint? O daß er doch bey jenen einen Eindruck machen mochte, die an dem Ruder der Staaten sitzen! Es wäre zu wünschen, daß die Regierung jedes Jahr zwanzig jungen Leute, die zwischen zwanzig und fünf und zwanzig Jahren ihr Alter zähleten, reisen ließe! Man müßte von jeder der edelsten, und dem Staate und dem gemeinen Wesen nützlichsten Künsten und Wissenschaften zween fähige Lehrlinge auswählen: Man müßte darauf sehen, daß diese Wahl, die man in einer öffentlichen Zusammenberufung, und nach einer genauen Prüfung anstellen müsste, nicht nach dem Gewichte der Gunst, oder der Geschenke, sondern nur allein nach der Schwere des Verdienstes und der Geschicklichkeit ausfalle. Die neuausgewählten jungen Leute müßten unter dem Schutze ihrer Monarchen, die sie ihren Gesandten und Residenten an verschiedenen Höfen anempfehlen würden, ihre Reise thun: Diese müßten ein wachtsames Auge auf ihre Ausführungen haben, und von selben die Minister des Hofes genau berichten. Einige müßten nur Europa durchwandern; andere müßten andere Theile Der Welt besuchen, nachdem es nämlich ihre Profession erheischete. Ich setze, daß man für jeden derselben jährlich zehentausend Franken (ich glaube, für einen Deutschen wären dreyhundert Thaler genug) und wenn Wird man uns erlauben, hier einen Entwurf vorzutragen, der uns von einer wichtigen Nutzbarkeit  ierinns falls zu seyn scheint? O daß er doch bey jenen einen Eindruck machen mochte, die an dem Ruder der Staaten sitzen! Es wäre zu wünschen, daß die Regierung jedes Jahr zwanzig jungen Leute, die zwischen zwanzig und fünf und zwanzig Jahren ihr Alter zähleten, reisen ließe! Man müßte von jeder der edelsten, und dem Staate und dem gemeinen Wesen nützlichsten Künsten und Wissenschaften zween fähige Lehrlinge auswählen: Man müßte darauf sehen, daß diese Wahl, die man in einer öffentlichen Zusammenberufung, und nach einer genauen Prüfung anstellen müsste, nicht nach dem Gewichte der Gunst, oder der Geschenke, sondern nur allein nach der Schwere des Verdienstes und der Geschicklichkeit ausfalle. Die neuausgewählten jungen Leute müßten unter dem Schutze ihrer Monarchen, die sie ihren Gesandten und Residenten an verschiedenen Höfen anempfehlen würden, ihre Reise thun: Diese müßten ein wachtsames Auge auf ihre Ausführungen haben, und von selben die Minister des Hofes genau berichten. Einige müßten nur Europa durchwandern; andere müßten andere Theile Der Welt besuchen, nachdem es nämlich ihre Profession erheischete. Ich setze, daß man für jeden derselben jährlich zehentausend Franken (ich glaube, für einen Deutschen wären dreyhundert Thaler genug) und wenn
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 sie diese Auslage fünf Jahre genossen, und indessen ihren Lauf vollendet hätten, so konnte ich nicht glauben, daß die Million Franken (den Deutschen 30000 Thaler), die sie für diese Reisenden auszahleten, gereuen sollten, wenn man die unermessene Vortheile dagegen abziehen sollte, die man aus ihren Reisen ziehen würde. Welche rühmliche Eifersucht würde man unter der Jugend von guten Sitten erwecken? Welche hohe Mennung würde man den Ausländern von unserm Vaterlande einflößen? Man wird uns einstreuen, dieser Entwurf sey vielen Schwierigkeiten ausgesetzet: Allein lege man mir eine nützliche Einrichtung vor Augen, die nicht nothwendig mit selben verknüpfet war. Würde man diese schweren Geister, die jede kleine Hindernisse in Steine verwandeln, allezeit angehöret haben, würden wir Häuser für die gelähmten Soldaten, Spitäler für die Krüppel, Schulen für die Kriegszucht, und andere dergleichen Stiftungen haben, so die Monarchen verewigen, denen sie ihr Daseyn schuldig sind? Will man uns fragen, was werden diese jungen Leute dem Staate in ihrer Zurückkehre mit ihren Reisen nützen? Wir müssen beschämet dagegen fragen: Was werden sie dem Staate nützen? Oder sind große und geschickte Leute dem Staate zur Last? + Freylich, wenn die Esel, die zu Hause geblieben, den stolzen Rossen, die nur an goldenen Stangen gehen sollten, aus Neide kein Futter in der Krippe lassen. Hierinfalls wurde das morgenländische Frankreich dem abendländischen bald den Trotz biethen sie diese Auslage fünf Jahre genossen, und indessen ihren Lauf vollendet hätten, so konnte ich nicht glauben, daß die Million Franken (den Deutschen 30000 Thaler), die sie für diese Reisenden auszahleten, gereuen sollten, wenn man die unermessene Vortheile dagegen abziehen sollte, die man aus ihren Reisen ziehen würde. Welche rühmliche Eifersucht würde man unter der Jugend von guten Sitten erwecken? Welche hohe Mennung würde man den Ausländern von unserm Vaterlande einflößen? Man wird uns einstreuen, dieser Entwurf sey vielen Schwierigkeiten ausgesetzet: Allein lege man mir eine nützliche Einrichtung vor Augen, die nicht nothwendig mit selben verknüpfet war. Würde man diese schweren Geister, die jede kleine Hindernisse in Steine verwandeln, allezeit angehöret haben, würden wir Häuser für die gelähmten Soldaten, Spitäler für die Krüppel, Schulen für die Kriegszucht, und andere dergleichen Stiftungen haben, so die Monarchen verewigen, denen sie ihr Daseyn schuldig sind? Will man uns fragen, was werden diese jungen Leute dem Staate in ihrer Zurückkehre mit ihren Reisen nützen? Wir müssen beschämet dagegen fragen: Was werden sie dem Staate nützen? Oder sind große und geschickte Leute dem Staate zur Last? + Freylich, wenn die Esel, die zu Hause geblieben, den stolzen Rossen, die nur an goldenen Stangen gehen sollten, aus Neide kein Futter in der Krippe lassen. Hierinfalls wurde das morgenländische Frankreich dem abendländischen bald den Trotz biethen
  
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 können, wenn es diesem Entwurfe zwanzig Jahre lang aus dem Schatze der Stiftungen des Julius folgete, und seine geschickten Geister, die unter dem Staube eines pedantischen Zepters schmachten, die Schätze der Wissenschaften aus fremden Ländern sammeln ließen, die ihrem großen Fürsten, und noch größerm Schützer der schönen Wissenschaften unsterbliche Ehre, und dem Vaterlande bey Ausgrabung seiner vernachlässigten eigenen Schätze einen erstaunlichen Vorzug vor vielen großen Reichen verschaffen konnte. Erlaubet mir lieben Landeleute, daß ich an die goldenen Ufer des Rheins fliege, und dort die flüchtigen, aber zu allem tüchtigen Köpfe ausfordere, unsre eigenen Landesleute zu übertreffen. Wenn sie ihren schnellen Geist mit der Aemsigkeit und Unverdrossenheit verbinden wollten; o zu welchen Gelehrten wären sie gebohren! Aber sie müßten nicht nur die unausgeschlafenen Morgenstunden, sondern auch die nüchtere Abendzeit zu wichtigen Geschäfften des menschlichen Fleißes anwenden. Man müßte freylich sich bey der Zurückkehre dieser fränkischen und rheinischen Musensöhne von dem neidigen und elenden Geschnader der alten Gänse, die sich nicht aus ihrem Stalle getrauet haben, und noch minder von dem leeren Geschwätze der alten Schulmonarchen irr machen lassen, die sich mit der Weide mästen, die sie nutzbar verwalten, aber nicht unnütz aufzehren sollten. können, wenn es diesem Entwurfe zwanzig Jahre lang aus dem Schatze der Stiftungen des Julius folgete, und seine geschickten Geister, die unter dem Staube eines pedantischen Zepters schmachten, die Schätze der Wissenschaften aus fremden Ländern sammeln ließen, die ihrem großen Fürsten, und noch größerm Schützer der schönen Wissenschaften unsterbliche Ehre, und dem Vaterlande bey Ausgrabung seiner vernachlässigten eigenen Schätze einen erstaunlichen Vorzug vor vielen großen Reichen verschaffen konnte. Erlaubet mir lieben Landeleute, daß ich an die goldenen Ufer des Rheins fliege, und dort die flüchtigen, aber zu allem tüchtigen Köpfe ausfordere, unsre eigenen Landesleute zu übertreffen. Wenn sie ihren schnellen Geist mit der Aemsigkeit und Unverdrossenheit verbinden wollten; o zu welchen Gelehrten wären sie gebohren! Aber sie müßten nicht nur die unausgeschlafenen Morgenstunden, sondern auch die nüchtere Abendzeit zu wichtigen Geschäfften des menschlichen Fleißes anwenden. Man müßte freylich sich bey der Zurückkehre dieser fränkischen und rheinischen Musensöhne von dem neidigen und elenden Geschnader der alten Gänse, die sich nicht aus ihrem Stalle getrauet haben, und noch minder von dem leeren Geschwätze der alten Schulmonarchen irr machen lassen, die sich mit der Weide mästen, die sie nutzbar verwalten, aber nicht unnütz aufzehren sollten.
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